Montag, 2. März 2026

Mittwoch 18.Feb. 2026

Heute, trifft sich unsere 9-köpfige Gästegruppe in Rio Branco, einer Regionalstadt in der Region Acre im westlichen Brasilien, Nähe des Dreiländerecks von Peru, Bolivien und Brasilien. Wir haben uns für ein zeremonielles Geburtstagsretreat von Isaka Bari, einem Stammesoberhaupt der Huni Kuin, dem Ni Heshe BANAI angemeldet. Es liegen bereits 2 Reisetage von Medellin hinter uns. 

 Das Frühstücksbuffet im Hotel "Terra Verde" ist reich gedeckt mit viel Weizengebäck und Ungesundem, wir finden allerdings auch etwas Obst. An den Wänden hängen historische Bilder aus den 60er/70er Jahren von Indigenen und historischen VW-Fahrzeugen, die über provisorische Holzstamm-brücken fahren. Die kurze Begrüßung ist schnell abgeschlossen, die Hälfte unserer Reisegruppe ist deutschsprachig, bei den anderen geht es ordentlich portugiesisch zu. 

Unser Minibus ist komfortabel und bringt uns über gelegentliche Schlaglöcher die erste Etappe zügig vorbei an endlosen Weideflächen, die saftig grün in der Sonne stehen. Die weißen Punkte sind Rinder, die viel Platz und auf den grünen, immersatten Wiesen gut Futter finden. Die Erde ist rötlich-braun und wirkt fruchtbar, vereinzelt sind Bäume und kleinere, per Hand bewirtschaftete Maisfarmen zu sehen. Verglichen mit den ostdeutschen oder gar US-Agrarwüsten scheint die Landwirtschaft hier gesund, kleinteilig und der Verzehr von Rindfleisch weniger mit schlechtem Gewissen behaftet. 

Ich schaue mir auf Google Maps die Landwirtschaft an und mir wird schwindelig. All das Land, all die Fläche, die uns seit 2 Tagen Fahrt entlang der Straßen begleiten, waren mal Regenwald. Es ist wie in einem Computerspiel klar zu erkennen, wie sich die industrielle Landnahme entlang der Straßen in den Amazonas frässt. Ich werde still und andächtig. 

Wir sollten nicht hier sein. Nichts von diesen Betonhäusern, Konsumtempeln, Farmen, Strommasten sollte hier in der Lunge der Erde sein. Vor allem nicht ich. Was mache ich hier eigentlich? 

Der Bus hält und weckt mich aus meinen Gedanken – Mittagessen – es gibt tatsächlich etwas Gemüse zwischen all dem Fleisch und Reis am Buffet – wir sind begeistert. Der zweite Teil der Busfahrt, die 200 km bis Tarauacá, entpuppt sich als Rollercoaster um immer mehr und intensivere Schlaglöcher. Teilweise erreichen wir nur 30 km die Stunde. Es lässt mich der Eindruck nicht los, dass die Straßen gebaut wurden, um das Holz abzuladen, und nun die Straßen vernachlässigt werden. Die schweren Lkw und Benzintanker kämpfen sich Meter um Meter voran, bringen all die nötigen Zivilisationsdinge in die abgelegenen Städte und Siedlungen und sicher so einiges Rindfleisch zurück. 

Rump's! Nächstes Schlagloch – arme Stoßdämpfer, aua Kopf! Während ich mir meine Beule streichele, denke ich mir etwas hinterhältig: "Eigentlich gar nicht so schlecht diese üblen Straßen, da geht zumindest die Abholzung vom Tropenholz etwas mühseliger vonstatten..." 

Verliebt habe ich mich sofort in diesen klaren, sauberen, himmelblauen ... Himmel. Diese kleinteiligen Schäfchenwolken versprechen fruchtbaren Regen am Nachmittag. Sie erinnern mich an den Himmel, den ich noch aus Kinderzeiten in Deutschland kenne. Und dieses saubere Blau – während ich versuche, meinen inneren Farbfilter anzupassen, um diese Schönheit aufnehmen zu können, platzt mir fast das dritte Auge. 

Wir kommen in Tarauacá an. Wir werden von Isaka im Hotel begrüsst und gehen Essen, gleich nebenan im Zentrum von Tarauacá. Ein kleines Städtchen tief im vereinnahmten Amazonasgebiet. Die Menschen hier sehen etwas gesünder aus und wirken etwas fitter als in den südamerikanischen Großstädten. Das mag unserer Meinung nach wohl auch daran liegen, dass die toxischen Zivilisationseinflüsse hier langsamer und schwerer verfügbar sind. 

Ich werde eines besseren belehrt und ich falle am Abend in einen reflektierten, aber dennoch toxisch-überheblichen Motz-Modus: 

 "Überall nur schlechtes Fast Food, Chinaplastik, schimmelnde Betonhäuser und Trash-Media. Und dafür wurde so etwas Schönes und Wertvolles wie der Amazonas abgeholzt, die Indigenen vertrieben! Für was? Für was? Für diesen Zivilisationsmüll?" 

Ungläubig und traurig reflektiere ich meine deutsche Überheblichkeit auf "hohem Ross". All das ist in Europa vor einiger Zeit auch passiert, die Abholzung der Urwälder, die Vertreibung der Urvölker, das Vergessen der Pflanzenmedizinen. Soll ich hier höflich als Gast akzeptieren, dass dies nun auch hier geschieht? Oder darf ich aus unserer traurigen Geschichte mahnend erinnern? Darf ich Brasilien respektvoll kritisieren, im Bewusstsein, dass wir auf einer runden Erde leben?

Isaka versucht einen lustigen Spruch: "na das ist hier doch wie bei euch in Deutschland, oder? Keiner weiss was er isst, oder was im Essen drin ist". Ich versuche höflich zu lächeln aber mir ist authentischer Humor gerade wirklich nicht möglich, dafür bin ich zu traurig, sind die angesprochenen Zustände einfach zu Extrem. 

Traurig ob der Zustände lege ich, wieder etwas bescheidener, meine Gabel im Restaurant zur Seite. Den lieblos zusammengeklatschten, in schlechtem Öl ertränkten Salat kann ich meinem Körper nicht weiter antun. Morgen geht's zu den Huni Kuin, die haben hoffentlich echtes Essen... 

 
Donnerstag 19. Feb. 2026

Der Morgen des 19. Februar beginnt mit dem Wort "Weltkrieg" in meinem Kopf. Die Amis bereiten wohl einen Großangriff auf den Iran vor. Wah! Schnell raus aus dem Internet. Ich will diese Geister nicht mit zu den Indigenen nehmen, wir bringen schon genug fragwürdige Einflüsse mit. Stattdessen ärgere ich mich im Kleinen gar nicht erst über das furchtbare Weizenfrühstück und bringe einfach rotzfrech einen Berg Obst und aufgeschnittenes Gemüse an den Hotel-Frühstückstisch für alle mit – Notwehr! Bätsch!

Die Gruppe geht noch ein paar Erledigungen nach. Den südamerikanischen Regen könnt ihr euch in etwa so vorstellen wie die 3 bis 5 mega-intensiven Regenminuten bei einem deutschen Sommergewitter – eine halbe bis zu einer Stunde! Regencapes = sinnvoll. Eine Rolle Mülltüten für Gepäck und den Notfall. Eine sinnvolle Trommel für meine Percussion-Begleitung zu den Zeremonien habe ich auf dem ganzen Weg nicht finden können. So muss ein Topf für 30 € herhalten. Der klingt in den Höhen und Mitten ganz gängig. Und kann danach vom Stamm gut in der Küche gebraucht werden.

An auf die Boote. Was für ein Spaß! Bei bestem Sonnenwetter, begleitet von himmelblauen Schäfchenwolken, geht es den Tarauacá River flussaufwärts. Das Boot, 12 m lang und 1 m breit, ist mit einem stabilen Sonnen- und Regendach ausgestattet und wird mit einem richtig lauten Motor angetrieben. Gerade heilige ich jeden Cent, den ich in diese furchtbar teuren Noise-Canceling-Ohrstöpsel investiert habe. Der Motor ist so laut, dass man selbst mit normalem Ohropax Schmerzen bekommt...

Ansonsten ist die Fahrt zu Beginn die reinste Wonne. Es erinnert mich an die wertvollen Zeiten des Wasserwanderns. Der Fluss ist in etwa so breit wie die mitteldeutsche Elbe bei Niedrigwasser, das Wasser lehmbraun. Es macht einen vertrauenswürdigen Eindruck, als könnte man darin baden gehen. Ich beschließe, die 6 Stunden Fahrzeit zum Schreiben dieses Reiseberichtes zu nutzen.

Der Fahrtwind kühlt angenehm meine sich langsam beruhigende Seele – endlich in der Natur. Langsam verschwinden immer mehr die Farmen und Landwirtschaftsflächen, und hier und dort ist vom Boot aus echter Amazonas-Urwald zu vermuten.

Aber was mache ich hier eigentlich? Was treibt mich hierher? Zugegeben, ich habe schon immer einmal, wie einige von euch auch, geträumt, den Amazonas zu erkunden. Tiefer liegend geht es mir um Heilung und die Naturmedizinen. Vor etwa 5 Jahren habe ich das erste Mal Ayahuasca bei einem ausgezeichnet guten Heilerpaar trinken dürfen. Bei diesen ehrenwerten Heilern habe ich bereits ungefähr 40 Mal getrunken und viele tiefe Verletzungen, Traumata und toxische Verhaltensweisen heilen und ablegen können. Auch bin ich, unter anderem, durch die beiden auf meinen Lebensweg dem Kakao und zu meiner geliebten Tochter gekommen. Kurzum, Ayahuasca und Naturmedizinen sind sehr wichtig auf meinem Weg, und ich habe ihnen unglaubliches zu verdanken.

Vorab: um einer guten Ayahuasca-Zeremonie beizuwohnen, muss man nicht unbedingt in den Amazonas oder nach Südamerika fliegen. Es gibt auch in Europa immer öfter gute, ernstzunehmende Gäste, die dem Ruf folgen, uns wahrhaftig zu helfen. Wer ernsthaftes Interesse hat, kann gern Kontakt mit mir aufnehmen, ich würde dann anhand der Bedarfstiefe schauen, wer und wann zu empfehlen wäre, und vermitteln.

Nun bin ich seit kurzer Zeit in der glücklichen Lage, in einem befreundeten Projekt Sanò kennengelernt zu haben. Martin ist mit Indigenen der Amazonas-Region, die Medizin und Heilarbeit anbieten, gut vernetzt. Und so habe ich letzten Herbst Isaka kennengelernt. Anfänglich war ich sehr von seinem übergroßen Kopfschmuck irritiert, und ich befürchtete einen aufgesetzten Kommerz-Scharlatan. Im ganzen Vertrauen an Sanò und die Freunde in der Weltenschmiede konnte ich mir aber sicher sein, dass Isaka ein respektabler Medizinmensch mit Tiefgang ist. Wir wurden in keinster Weise enttäuscht...

Leider habe ich seit 2022 mit Atemnot zu kämpfen – welche als Asthma diagnostiziert wurde. Der Alltag in Deutschland ist für mich ohne Cortisolspray nicht zu bewältigen. Die Schulmedizin hat keine Antworten, und sämtliche Versuche, selbstsändig von dem Spray loszukommen, verursachten mehrfache Hustenattacken bis zur Ohnmacht, einhergehend mit starken Kopfschmerzen durch den Druck. Vielerlei Versuche mit alternativen Ansätzen ließen mich eher verwirrt als geheilt zurück. Aber eines habe ich immer wieder feststellen können: ganz wenig und bewusst essen und in Zeremonien mit Ayahuasca/Yahe konnte ich immer tiefer und vertrauter durchatmen.

Auch habe ich von einer vertrauten Heilerin gehört, welche früher auch an Asthma litt, dass eine Monatskur mit Medizinen im Dschungel helfen kann. Somit musste ich immer wieder auf den Verdacht stoßen, dass dieses "Asthma" meine Schamanenkrankheit ist.

Nun kommen wir mit dem Boot am Anleger der Dörfer an und werden herzlich von immer mehr herzlich offenen, bunt geschmückten Huni Kuin begrüßt. In einer nah gelegenen Hütte können wir uns orientieren, bis der Regen vorbei ist. Hände von vielen verschiedenen Menschen werden geschüttelt, während wir noch voll im "Deutschmodus" versuchen, unsere Dinge und Gepäck zusammenzuhalten. Doch unser Reisegepäck befindet sich schon auf Ochsenschlitten ohne Räder. Von hochmotivierten jungen Männern wird es "irgendwo hoch in unsere Unterkunft" gebracht. Große Kinderaugen beobachten uns grinsend, ich bekomme eine Rassel in die Hand gedrückt, und es wird erstmal musiziert. Eine Gruppe Heranwachsender Jungen spielen mit einer in diesem Alter kaum bekannten Motivation Lieder auf Gitarren, viele kenne ich sogar schon. Eine durchaus sehr milde, schmackhafte Naturzigarette geht von einem durchaus sympathischen Herren neben mir durch die ca. 30 Menschen große Gruppe, später verstehe ich, dass dies bereits einer der ersten Schamanen (Pajehs) ist, welcher mir später noch ordentlich "die Rübe durchpustet"...

Nach etwa einer Stunde, der Regen vorüber, machen wir uns auf den Weg. In der Annahme, dass unsere Herberge gleich oben auf dem nächsten Hügel ist, bekomme ich berichtet, dass es hier 4 Dörfer gibt. Der matschige Weg zieht sich, und ich komme aus dem Staunen nicht heraus, wie viele Häuser in dem Gebiet verteilt sind. Es wirkt fast eher wie eine Kleinstadt mit Hütten, die großzügigen Abstand zueinander genießen. Die ersten Schönheiten verdrehen mir auf dem Weg etwas den Kopf: "bloß nichts anmerken lassen, durchatmen". Die übliche Nervosität überlassen wir ja nicht zuletzt aus tiefstem Respekt den Huni Kuin-Jungen und -Männern, nicht wahr?

Auf dem endlos erscheinenden Weg durchqueren wir eine Hütte, die wie ein Schul- und Versammlungsgebäude wirkt. Die Tafel ignoriere ich beflissentlich, aber auf dem Stundenplan springt mich in der Mitte sofort "Ayahuasca" an – ich impliziere: der Umgang und die kulturelle Pflege der Pflanzenmedizinen steht hier ganz klar, ob praktisch wie theoretisch, im Mittelpunkt.

Wir kommen auf einem großen Dorfplatz an, eine Feuerstelle in der Mitte, es ist im Grunde so, wie ich es von einem Rainbow oder unseren eigenen organisierten Gatherings kenne. In der zentralen Gemeinschaftshütte bekommen wir einen Maniok-Snack und erfahren: Oh je! – es wird gleich heute zum ersten Mal getrunken! Überraschung!

Dann dürfen wir endlich in die sehr neu wirkende Gästehütte. Vorbei an recht neu wirkenden Solarstationen mit 2 Modulen und scheinbar auch Akkus und Wechselrichtern, mit denen die Hütten dezentral mit Strom versorgt werden – SUPERGEIL! 

 In der Gästehütte ist es eng, und nachdem wir unsere Schlafplätze unter uns 9 Gästen verteilt haben, geht's um die Reihenfolge, wer zuerst duschen darf. Eine einfache "Bucketshower", das Wasser fließt direkt durch die Holzbohlen der Ständerhütte – genial einfach und praktikabel. Unsere Schlafplätze, 3x1 m, sind eine Hängematte mit darüber aufgehängtem Moskitonetz. Ich habe wirklich schwer damit zu tun, mein Reisegepäck zu organisieren, darf mich aber glücklicherweise an meine gute Kindheit und die Erfahrungen bei den Bergfreunden und Wanderhütten erinnern.

Nun haben wir ein wenig Ruhe verdient. Ich schlafe die Stunde so harmonisch und geborgen wie lange nicht mehr – ich fühle, dies ist ein wahrlich reiner, liebevoller und guter Ort auf allen Ebenen.

Die Zeremonie wird draußen um das Feuer vorbereitet in einem großen Kreis um das Feuer. Der Kreis ist riesig und fasst sicher 300 bis 400 Menschen, wenn Bedarf ist. Heute sind es etwa 100, entsprechend groß ist der Abstand der Grüppchen, welche sich in freier Platzwahl bilden. Eine Glühbirne im kaltweißen Licht blendet uns ungemein, und wir sind sehr erleichtert, als Isaka das Abdunkeln dieser schmerzvollen Lichtquelle erlaubt. Nun sitzen wir im Schein des Feuers, alles gut. Nach kurzer Einweisung wird die Medizin ausgeteilt, die Gästegruppe, also wir, werden zuerst aufgerufen, gefolgt von den Pajes und Schamanen. Die Medizin schmeckt wässrig, hölzern und so gar nicht bitter.

Die Gebete beginnen, alle sitzen, meditieren oder singen die Gebete mit. Es beginnt immer mehr zu regnen, und wir ziehen uns in die Gemeinschaftshütte zurück. Nun sind alle angenehm beieinander, nicht zu eng, aber auch nicht mehr so weit entfernt voneinander wie um das Feuer, sodass man sich sehen und spüren kann.

Die Gebete gehen in die nächste Runde, bis Isaka mit Unterstützung die erste Runde Rapé gibt. Während ich mich noch in hoch vibrierender Anbindung mit der Medizin befinde und mich auf meine Atmung und Ausleitung von Toxinen konzentriere, wird es bewegter im Raum. Ein, zwei Kleinkinder quengeln, die Medizin wirkt zunehmend, aber noch recht mild.

Die Künstler bauen sich auf, und nun beginnt der zweite Teil der Nacht, das Fest der Freude und Familie. Das Gitarrenspiel nimmt recht schnell Fahrt auf, sodass ich direkt den Bedarf habe, ein Percussion-Instrument, Beine, Trommel oder Rassel zu greifen. Leider konnte ich mir vorab nur einen dafür Topf organisieren. Irgendetwas zwischen Scheu oder Bequemlichkeit lässt mich dann doch einfach wieder meine Knie als Percussion-"Instrument" verwenden, und es geht ab! Der halbe Saal ist am Tanzen und authentisch Feiern – echte Freude. "Viva Alegria", "Viva Medicina!","Viva Pacha Mamma!" ...

Ich begebe mich nach 5 Minuten "Befangenheitsgetue" einfach in das Getümmel. Aber hier tanzt nicht jeder mit sich oder nur einem Partner. Hier sind alle irgendwie verbunden, ich erkenne eine Spirale, welche sich von innen nach außen immer schneller bewegt. Außen angeführt von den erzengelhaft wirkenden Stammesführerinnen, der Frauengruppe, welche halb delierisch beschwingt und wiederum ernsthaft, fast streng, gut geerdet in tangoartigem Tempo eine Horde Frauen und Mädchen hinter sich herziehen. Zur Mitte geht es mehr stoisch langsamer, männlich zu.

Ich stimme dem Chorgesang der Künstler neben dem Altar immer mehr ein, sobald ich Luft dazu finde bzw. wenn mein vor Erstaunen geöffneter Mund mal nicht wieder in einem fetten Lachen der herzlichen Freude oder tiefem Juchzen die Möglichkeit lässt. Begleitet zu den wunderschönen Keidern und dem Federnschmuck die Gefühlt durch den ganzen Raum wedeln. Oben und Unten sind nur bürgerliche Kategorien...

Begleitet wird die Musik immer wieder von cheerleaderartigem Frauenjubeln, bei dem sich jedes Männerherz einfach nur in Windeseile öffnen mag. Gefolgt von tiefem Männergrunzbrüllen, welches gelegentlich an Affengeräusche erinnert und von mir immer wieder in humorvoll, dankbarer Natürlichkeit aufgenommen wird und zum Mitmachen nicht einladender sein könnte.


Freitag 20. Feb. 2026

Es wird zum zweiten Becher Trinken geladen. Wir relativ vorn dabei, jetzt kann es richtig losgehen. Meine Reisebegleiter sind müde, haben Kopfschmerzen, und es ist dann doch ein wenig zu viel, direkt trinken nach der langen Anreise, und das zum ersten Mal! Ich merke: hier ist es dann doch ganz schön advanced für das erste Mal Trinken. Nachdem ich beide wohlbehalten zu den Hängematten begleitet habe, gehe ich zurück in die Zeremoniehütte. Ich hatte den ganzen Abend einen Schamanen mit mittelgroßem Federschmuck beobachtet, bei dem besonders die Indigenen für das Rapè anstehen wie bei uns die Bürger am Samstag beim "echte Handwerksbrötchen-Bäcker".

Ich wage mich endlich in die Reihe, und als er mich etwas ernsthaft in einer mir durchweg unverständlichen Sprache fragt, kann ich nur schulterzuckend auf meine Ohren zeigen und negieren. Ich zeige von meinem Herz auf ihn, um ihm zu vermitteln, dass ich ihm vertraue.

Das Rapè ist in der Nase ist eher leicht, fast ätherisch und beißt kaum, aber es dreht mich leicht weg, und während ich auf meinen Sitzplatz zum Meditieren zurückkehren will, merke ich, dass mein Magen ganz andere Pläne hat. Gerade schaffe ich es aus der Zeremoniehütte für den ersten Schwall der inneren Reinigung. Dann noch 2 Schritte weiter von der Hütte weg. 

Ja, ich würde es als Kotzen bezeichnen. Mental, geistig geht es mir richtig gut, ich kenne und feiere solche Reinigungen sehr, sind sie doch ein Hauptgrund, weshalb ich hier bin. Ich bin in einem hochfrequenten Zustand mit Ayahuasca und Rapé, während in der Hütte ein unglaubliches Fest der Freude und Liebe mit unbeschreiblichem Gesang erklingt. Dabei sitze ich im Matsch und kotze mir die maroden, toxischen Anteile meiner Geisteswelten aus dem Leib. Um direkt nach den Kotzanfällen wie ein Buddha-Jesus-Baby in tiefster Dankbarkeit die Möglichkeit dieses Erlebnisses zu feiern. Ich versuche, etwas respektvollen Abstand zur Hütte zu finden, und mache mich auf dem Weg zum Feuer, schaffe 3 Schritte und lasse mich wieder zu Boden sinken. 

Ein Bruder der deutschen Partizipanten berührt mich ungefragt, hilfsanbiedernd kurz an der Schulter, doch das war zu viel! Nun geht es an tiefer liegende Schichten, und ich röhre wie ein Hirsch. Diese Art von Kotzen hat einen Tiefgang, wie man ihn von einem ordentlichen Alkoholrausch kaum kennen kann, als würde man Dinge aus den Ahnen-Wurzeln in tiefster Erde reinigend zu Tage bringen. Isaka steht mit seinem riesigen Federschmuck kurz hinter mir, reinigt und stabilisiert mir unterstützend mit Gebeten und Techniken das System. DANKE! Ich meine: OBRIGADO!

Sobald ich mich wieder besinnt habe, mache ich mich zurück in die Zeremoniehütte zur Tanzspirale. Nun bin ich richtig frei und im Vertrauen, mit Selbstvertrauen, in andächtiger Bescheidenheit, ich lasse fließen. Die Medizin wirkt nun richtig, ich kann mich der kollektiven Ekstase voll und ganz hingeben und kann dennoch gut Kontrolle über meinen, hier, überdurchschnittlich großen und kräftigen Körper halten. Alle halten sich mit Vorder- und Hintermann an Armen oder Schultern, der Fluss ist mal reißend schnell bis gemächlich gestaut. Ich schwitze durch Medizinen und Tanz. Angeführt wird das Ganze in einer erstaunlichen Ausdauer nach wie vor von den erzengelhaften Schönheiten in einer respektvollen Würde, nach der sich das Grundgesetz nur die Finger nach lecken kann.

Eine halbe Stunde und gefühlten 1000-und-einem "Lachen der tiefen Freude" später baut sich das Feld langsam ab, ich komme zum Sitzen und lecke andächtig Ambil, um mich wieder mit Opa Tabak zu verbinden, während ich die Dynamiken im Raum, aber auch in mir studiere. Es dämmert langsam. Plötzlich delegiert Stammesoberhaupt Isaka alle mit einer lustig tanzenden Bolognese wieder raus ans Feuer, denn der Regen ist schon lange vergessen und der Amazonashimmel schimmert vanille-rosa hinter sonnenlüsternen Schäfchenwolken.

Und nun verstehe ich: das ist genau das, was ich seit Jahren versucht habe zu kreieren. Ein lustig bunter Stamm voll unschuldiger Freude aus ganzem Herzen tanzt Hand in Hand zu Jubelgetöse um das Feuer. Es gibt immer wieder abwechslungsreiche Choreographien in diesem Kreistanz, es ist so natürlich, dass es keine Frage mehr gibt: Kopf aus und tiefe Lebensfreude zelebrieren. "Viva Alegria!"

Ich glaube, es gibt Videoaufnahmen davon, die diese Authentizität in meiner herzoffenen Lebensfreude besser bezeugen können als alle Worte dieser Welt.

Die Zeremonie wird nun durch Gebete in Kreisform, die an einen Foodcircle erinnert, abgeschlossen. Gute Güte, sind wir alle schön, ich wage die Augen kaum zu öffnen.

Nachdem wir zum Sitzen gekommen sind, meint Isaka, dass es nun Zeit zum Duschen und Regenerieren sei. Super! Denn die Morning-Moskitos finden mein schweißdurchtränktes Dress richtig sexy. Aber vorher bekommen wir Gäste noch die angebotenen Diäten und Medizinanwendungen von den Pajes und Schamanen erklärt. Gut, da sind nun diese ehrenwerten und durch und durch sympathischen Autoritäten des Stammes für uns da, neben uns die Übersetzerin und Isaka, da kann ich jetzt nicht los und Mückenspray holen. "Nimm es wie ein Mann," sag ich mir, "das ist jetzt der Preis, dass ich hier sein kann und all das erleben"...

Zuerst wird uns die Pfeffertaufe erklärt. Dabei wird reiner Chillisaft unter Gebeten auf die Zunge gestrichen. Dies öffnet das Wort und Stimmbänder für den Geist eines Vogels, der keine eigene Melodie, Codierung, hat und ausschließlich andere Vögel imitiert und nachahmt, und das täuschend echt. Daher haben wir die Möglichkeit, ganz anders und schneller die Möglichkeit, Gebete und Gesänge zu lernen, indem wir sie einladen können, einfach in uns hineinzufließen. Das Ganze muss von einer speziellen Diät begleitet werden. Bei mir heißt das nun eine Woche bis zur Hauptzeremonie am Ende: kein Zucker, kein Salz, kein klares Wasser (ggf. Zitronensaft oder Tee) und keine bewegenden Berührungen (kurzes Händeschütteln und Tanzberührungen wären wohl okay, solang sich dabei keine Resonanzschwingungen aufbauen und austauschen).

Mist! Schon wieder 3 neue Mückenstiche! Aber es ist einfach zu spannend.

Dann bekommen wir Kambo erklärt, aber das ist mir gerade zu viel, und ich entscheide mich heute Vormittag für die Feuertaufe und die Rapé-Diät vom Paje. Während dieser ehrenwerte Mann beginnt, die Rapé-Diät zu erklären, bemerke ich, dass dieser Mensch mich mit seiner fürsorglichen, bescheidenen Art und Weise an meine geliebte Großmutter erinnert. Er strahlt Würde und große Weisheit aus, später erfahre ich, dass er im Grunde der König in diese Gemeine bei den Huni Kuin ist. Er ist der Vater von Isaka und hat die Häuptlingsauthorität vor einer Weile an seinen Sohn abgegeben.

Fatsch! Ich fühle ca. 20 neue und extrem juckende Mückenstiche nur an meinem linken Oberschenkel. Fokus! Konzentration! Chef vorne spricht wichtige Dinge – der Übersetzerin aufmerksam folgen! Ich entscheide mich bei den Diäten für die Pfeffertaufe und Rapé, die Vorschriften ähneln sich.

Endlich geduscht und die gefühlten 40 Mückenstiche behandelt, werde ich nach 1,5 Stunden in meiner Hängematte aus dem Tiefschlaf gewackelt... "Paul, Rapé beginnt jetzt da hinten, los!" Taumelnd schaffe ich es noch, einen Löffel Mambe zu naschen, um halbwegs klar zu kommen und Fokus für den Paje zu halten.

Es stellt sich heraus, dass mir mit dem Asthma geholfen werden kann. Ich fühle mich wirklich richtig gut aufgehoben und gehört, OBRIGADO!

Hinter dem Paje steht eine gigantische Pfanne mit 2 m Durchmesser und 20 cm hohem Rand, welche mich als Koch sehr begeistert. Zu den guten alten Gatheringzeiten hätte ich damit und ordentlich Zunder sicher für 300 Hippies z.B. Nudelpfanne gebrutzelt. Diese wird hier wohl zum Panela kochen genutzt, da währe ich auch gern mal dabei...

Wir prozessieren die Anwendungen, und dann ist Zeit für Ruhe, die ich für Freundes - und Familienkommunikation über die stabile Satelliten-Verbindung nutze. Am Nachmittag gibt es für uns Gäste in der Gemeinschaftshütte einen Markt. Nun kommen wir 9 Gäste in einen Raum, in den das halbe Dorf viele Produkte aufgebaut hat, und man spürt die Hoffnung auf Käufe bei allen. Ein heißes Eisen: bei wem kaufe ich nun die Rassel, welche ich unbedingt zur nächsten Zeremonie brauche? Da ich in meinem Rucksack nun wirklich micht Platz für 3 Rasseln habe, probiere ich mich durch und kaufe die Wohlklingendste. Und natürlich auch noch weitere Dinge, aber das sollen Überraschungen für die Liebsten werden...

Am frühen Abend, noch hell, gibt es noch ein paar Stammesspielchen, denen wir zuschauen konnten. Dabei hatten alle Jungen und männlichen Heranwachsenden einen ca. 25 cm langen Stock. Sitzend in Reihe eng beieinander haben sie diesen, Arme um den Vordermann mit beiden Händen, fest gehalten. Nun war es der Frauengruppe Aufgabe, dieses Bündel Männer, mit aller Kraft vereint, zu trennen und den Männern den Stock zu entreißen. In meiner Wahrnehmung ein sehr interessantes Kräftemessen mit körperlicher Nähe. Ich vermute stark, dass es auch sehr deutlich offenbart, wer an wem Interesse haben könnte. Aber auch den Zusammenhalt in der Männergruppe gut verbildlicht sowie die Kooperation oder Konkurrenz in der Frauengruppe offenbart. Ich werde dieses Spiel ganz sicher mal auf einem Gathering mit euch ausprobieren.

Am Abend gibt es eine Filmvorführung von 2023, als vom Stamm mit dem professionellen Filmteam ein ganzer Zeremonial-Tag verfilmt wurde. Leider ist der Beamer sehr schlecht gewesen. Falls ihr noch einen halbwegs gängigen Beamer im Keller stehen habt, ich nehme diesen gern nächstes Jahr mit. Oder ihr kommt gleich selber mit, das ist sicher die bessere Idee...

Wow! Fuck! Mir ist grade beim Schreiben eine ungelogen 10 cm große Kakerlake um die Ohren geflogen... hmm... ja gut, gute Nacht!


Samstag 21. Feb. 2026

In der Nacht gab es einen unglaublich lauten, tiefen Blitzeinschlag, gefühlt in 20 km Entfernung. Es fühlte sich an wie eine gigantische Bombe, die Holzhütte bebte, und in meinem Bauch fühlte ich die tiefen Schwingungen. Etwa 10 Minuten später setzte recht schnell ein starker Regen ein, welcher sich in ein absolutes Schütten entwickelte. In der neugebauten Holzhütte konnte ich mich sicher fühlen, da das Dachblech neu und dicht ist und die Hütte auf Holzpfählen steht.

Plötzlich hört der Regen auf, als hätte jemand die Dusche ausgestellt. Überall um uns herum hört man es weiter regnen, es fühlt sich an wie im Auge des Orkans. Etwa 5 Minuten später setzt der Regen plötzlich genauso intensiv wieder ein, wie er aufgehört hatte, nun allerdings geht es eine halbe Stunde so weiter. Der Regen Scheppert Phrenbetäubend auf das Blechdach. Es ist ungewohnt hier, man sieht Blitze, aber hört sehr selten Donner. 

Am Morgen regnete es noch bis Mittag, sodass die Vorbereitungen für den Beetebau auf Nachmittag verschoben wurden. Am Mittag gab es eine Versammlung in der Gemeinschaftshütte. In der Mitte vom Raum sind 4 neue Schubkarren, 4 Spaten, 10 Macheten, Lochausheber, Rechen und diverse weitere neue Gartengeräte und Werkzeug, welches Isaka in der Stadt gekauft hatte, als er uns abgeholt hatte. Isaka und der Paje sprechen eine Weile auf Huni Kuin. Ich werde in meinem deutschen Arbeitseifer langsam ungeduldig. "Wann nehmen wir denn endlich die Geräte und gehen los, es hieß doch Pflanzeinsatz...?" 

Einzelne Dorfbewohner bekommen Geräte überreicht, die anderen Dorfbewohner rufen immer wieder Haux Haux! als Bestätigung. Langsam geht mir ein Licht auf: diese Geräte wurden von dem Geld, das wir Retreat-Teilnehmenden gezahlt hatten, gekauft. Es ist Allmende, Gemeingut. Die Dorfbewohner nehmen es in diesem Bewusstsein in ihre Verwahrung, in ihre Verantwortung. Mit dieser Art und Weise wissen aber auch alle Dorfbewohner transparent, wer welche Geräte hat und wo man sich mal etwas ausleihen könnte. Auf der anderen Seite sind die Nutzer auch mehr in der Pflicht, gut mit den Geräten umzugehen und sie zu pflegen. Das klappt sicher besser als die Kommune-SB-Werkstatt, wie man sie leider aus vielen deutschen Gemeinschaften kennt: wenn die Werkstatt nicht schon ein totales Chaos ist, wird sie es nach wenigen Monaten sein...

Nach weiteren Ansprachen gibt es Mittag und eine Pause. Dann ist wieder Treffen in der Gemeinschaftshütte. Weitere Ansprachen. Es gibt wohl 3 Gruppen. Die Frauengruppe erntet ein Maniok-Beet, was hier definitiv eines der Hauptnahrungsmittel ist. Eine Männergruppe geht mit Kettensäge Holzpfähle "jagen" und transportieren. Die weitere Gruppe jätet ein ca. 8x4 m Beet auf einer wildwuchernden Fläche am Dorfrand mit Macheten. Darauf baut die nächste Gruppe mit dem Paje aus den ca. 15 cm dicken Stämmen ein Grundgerüst für ein Sonnenschutz-Gezelt für das Tomatenbeet. 

Das Ganze zu kommunizieren und bis es dann eeeendlich losgeht, dauert eine weitere Stunde. Ich bin froh, dass es losgeht, aber neben dem Filmteam für die hier gerade entstehende Dokumentation sind hier so viele motivierte Helfer der Männergruppe, die natürlich auch hochmotiviert die neuen Geräte ausprobieren wollen, dass ich ganz schön zu tun habe, etwas von der Arbeit abzubekommen. Ich merke, wie mein ganzer Körper, mein System endlich loslegen will, doch als wir die ersten beiden Schubkarren mit Humus gefüllt haben, gibt es erstmal eine Kiffpause – meine persönliche Hölle!

Auch wenn das Gras "Tschuru" hier sehr mild und natürlich ist, komme ich nach wie vor gar nicht gut auf Gras klar und ziehe wenn, dann meist nur einen homöopathischen Minni-Anstandszug, um wenigstens etwas in Verbindung zu kommen. Am Ende finde ich dann beim Holztragen etwas Auslastung. Die Männergruppe geht, wie sie gekommen ist, zurück zum Dorf in einer Reihe mit den üblichen Männer-Rufen.

Am Abend wird zu einer weiteren Zeremonie gerufen. Eine Danksagung für die Pflanzen, wir trinken nicht, aber es wird viel Gras geraucht, ich enthalte mich und bleibe bei meiner Rapé-Diät. Zur späteren Stunde wird der Tanz wieder sehr ekstatisch, ich komme total durchgeschwitzt aus der Gemeinschaftshütte.


Sonntag 22. Feb. 2026



Heute geht es um 9 in den Dschungel, eine kleine Wanderung mit dem Ziel eines heiligen Wächterbaumes. Dort verweilen wir, es wird ein kleines Feuer entzündet und noch mehr "Tschuru Zigaretten". Es gibt rote Augentropfen als Medizin, später Sananga für alle die möchten – na da bin ich doch sofort vorn dabei!

Die Indigenen beginnen aus Palmblättern Körbe zu flechten, in die sie Erde geben. Sie werden zum Transportieren von speziellen Pflanzen verwendet, die später im Sinne der Wiederaufforstung gepflanzt werden. Das Kamerateam ist mega engagiert und mit 2 guten Kameras am Start, es werden sicher richtig gute Aufnahmen und Einstellungen, ich bin gespannt auf das Endergebnis, während ich die Pflanze wie ein Baby den unwegsamen Dschungelweg zurück ins Dorf trage.

Ich hatte gestern von mehreren erzählt bekommen, dass bei den Huni Kuin im Dorf Kakao wächst. Sie haben aber keine Ahnung, wie sie diesen verwenden sollen. Sie lutschen wohl nur das Fruchtfleisch ab und spucken die Bohnen ungenutzt weg. Ich bekomme erklärt, dass sie großes Interesse haben zu lernen, wie sie Kakao richtig weiterverarbeiten können. Ich liege mit langem Atem in meiner Hängematte und durchlebe einen tiefen Brainstorm... Es ist alles da, wie vom großen Schicksal vorkonfiguriert. Mit meinem in den letzten 4 Jahren erlernten Kakaowissen und noch älteren Lebensmanifestationen kann ich den Weg, der vor uns liegt, liegen könnte, kaum glauben. Ich habe die Möglichkeit, einer indigenen Gemeinschaft beim integralen Aufbau eines permakulturellen, spirituell angebundenen Kakaoanbaus auf die Sprünge zu helfen. Für den Kakao, den sie in mittelfristiger Zukunft nicht selber brauchen, gäbe es sogar schon den perfekten Käufer...


Mittwoch 25. Feb. 2026

Heute sind wir den Fluss mit 2 Booten ca. 90 Minuten flussaufwärts zu einem anderen Dorf der Huni Kuin gefahren. Zwei Boote, eines für uns Gäste und das Filmteam und eines vollgestopft mit weiteren Dorfbewohnern. Dieses Dorf ist als Aqua Viva bekannt und um einiges älter als dieses, in dem wir leben. Alles ist entwickelter. Mir fällt gleich auf, dass es sehr viel mehr Obstbäume als "bei uns" gibt. Diese hängen alle voller Früchte, die teilweise ungenutzt auf dem Boden verderben. Neben den von mir sehr geschätzten Guaven besonders die "Theobroma Grandiflorum" hier als Cupuaçu bekannt. Mit ihren riesigen Früchten. Diese können einfach geöffnet werden und haben um die lakritzschneckengroßen Kerne ein säuerlich, sehr delikates Fruchtfleisch. Die Kerne werden einfach ausgespuckt und verrotten ungenutzt. Ich habe dann einen Kern geöffnet und fand die klassische Kakaostruktur und ein unglaublich gutes Aroma. Ich muss dem weiterführend umgehend nachgehen, da ich befürchte, dass die Huni Kuin sich mit dem Wegwerfen der Kerne einer der wertvollsten Lebensmittel und Verkaufspotential verwehren.

Ich torkel, seit 3 Tagen fastend und auf Rapé-Diät, mit der Gruppe zum Dorfplatz. Unter einem schönen Baum finden wir Sitz und Schatten. Isaka baut wieder in unüberschaubarer Menge in atemberaubender Geschwindigkeit "Tschuru Zigaretten", und es geht einem nach dem anderen die Runde. Ich werde wiederholt skeptisch beobachtet, als ich diese höflich weiterreichen, ohne daran zu ziehen... Ach, wenn er doch nur meine Geschichte mit diesem Kraut verstehen würde... Ich widme mich "meinem Mittags-Rapé", wie es in der Diät angewiesen ist. Ich fühle mich flau, es fällt mir schwer, mich auf dem Holzbalken zu halten.

Nun geht es endlich in eine perspektivische Runde zum Austausch. Es wird wiederholt geäußert, dass sie Hilfe brauchen. Das Dorf Aqua Viva ist älter und hat wohl gewisse öffentliche Förderungen bereits vor etlichen Jahren für die Dorfentwicklung erhalten. Die Häuser sind schon alt. Auch erfahren wir, dass am Schulgebäude Schäden sind. Natürlich hätte das Dorf sich auch gern so schöne neue und große Häuser und Brauchwasserleitungen wie im neuen Dorf von Isaka ...

Dann geht die Runde an uns Gäste. Das erste Mal, dass uns in großer Runde "das Wort" gegeben wird. Es wird gleich auf die Müllproblematik eingegangen. Die Huni Kuin sind sehr begierig auf Konsumprodukte aus "unserer Gesellschaft". Wir wiederum haben Bedenken, dass zu viel "Müll" aus der Gesellschaft im noch halbwegs reinen Amazonas, in den Köpfen, Herzen, Seelen und Mägen der Indigenen landen. Ich mache dies mit den mir besten Worten deutlich, die Übersetzerin tut einen guten Job, auch wenn ich besser 2, 3 Pausen zum Zwischen-übersetzen hätte einlegen sollen. 

Mir ist es wichtig zu vermitteln, dass wir zum Beispiel mehr Motivation hätten, bei der Finanzierung von einem offensichtlich dringend benötigten eigenen Boot zu helfen, wenn wir nicht Skrupel hätten, dass sich viel Müll anhäuft. So sehen wir es als essentiell an, dass jedes Mal, wenn das Boot den weiten Weg in die Stadt angeht, dorthin auch wieder der Müll gebracht wird. Mit Plastikmüll passiert das wohl schon. Aber was ist mit dem alten, verrottenden Generator, der da unter der Guave stand? Was ist mit den, alten Herden, Plastikteilen, den alten Koffern, welche wir woanders mitten in der Natur des Dschungels gesehen haben? Und so weiter. Die Befürchtung, dass dies mit wachsendem Wohlstand und Zugang zur Babylon-Gesellschaft auch hier hässliche und furchtbare Ausmaße wie überall auf der Erde annimmt, sind nicht von der Hand zu weisen. Und versuchen an die Vorbildrolle zu appelieren.

Aber wir verstehen auch: in der Stadt gibt es keinen Wertstoffhof wie bei uns, nein, es gibt nicht mal einen kommerziellen Entsorger in der Stadt. Die alte Waschmaschine, die 2 toten Solarzellen müssten die Huni Kuin, nachdem sie 3 Stunden mit dem Boot in die Stadt zurückgefahren werden, dieses Altgerät einfach dort an die Straße stellen, oder so. Verständlicherweise hat kein Logistiker Lust, solchen Müll über die anfangs beschriebenen Straßen 500 km oder mehr zu transportieren. Da lohnt sich nur das Hinbringen und der Verkauf der Waren. Großpolitisch sehe ich für Brasilien nur eine Rücknahmepflicht für Industrie und Händler. Den Huni Kuin kann ich in dem Moment erstmal nur zu Bewusstsein rufen, dass das Sammeln von diesem Müll wenigstens an einer Stelle, am besten in der Nähe vom Bootsanleger, weitaus besser wäre, als es überall verteilt liegen zu lassen.

In der nächsten Runde muss ich den Mediengebrauch, besonders der Kinder, ansprechen. Ich berichte, dass es in Deutschland, glücklicherweise, bald ein Social-Media-Verbot für Kinder bis 14 Jahren geben wird. Ich erkläre, wie vor allem diese &#%*?#@ Kurzvideos das Gehirn, Herzen und vor allem die Aufmerksamkeitsfähigkeit grillen. Und dass da weitaus weniger an wertvollen Informationen hängen bleibt als bei "vollen Videos", wo auch tiefer in das Verständnis der Materie eingegangen wird. Die Älteren nicken bedächtig. Es gibt hier nun Satelliteninternet betrieben mit Solar, ich werde nicht müde zu betonen, wie ich das feiere. Die Indigenen können mit uns und untereinander gut kommunizieren, dafür sollte es genutzt werden. Wenn ich aber eine indigene Kindergruppe sehe, wie sie sich den toxischsten Content reinziehen oder dumme bunte Zuckerspiele, hypnotisiert vom Display, stimmt mich das sehr traurig.

Klar ist nach dieser Erklärung die Stimmung eher gedrückt, und ich fühle mich mal wieder als Miesepeter. Die Runde hatte sich wahrscheinlich auf indigener Seite mehr Fokus auf Hilfsangebote erhofft, aber ich bin in einer moralischen Zwickmühle. Auf der einen Seite bin ich der Letzte, der den Huni Kuin nicht mehr Lebensstandard gönnen möchte, so wie wir privilegierten Deutschen ihn genießen können. Auf der anderen Seite sehe ich jetzt hier schon viel Plastik im Dorf rumliegen. Und wie könnte ich es mir verzeihen, wenn materielle Hilfeleistungen aufgrund mangelnden Bewusstseins zu Umweltverschmutzung und Verwahrlosung der indigenen Tradition und Werte führen, wie wir es schon allzu oft erleben mussten...? Ich ziehe mich zurück aus der aktiven Präsenz und höre der Runde weiter zu...

Danach geht es zum festmässig aufgebauten Riesenbuffet für alle Gäste und das ganze Dorf. Es schaut riiiichtig gut aus. Daneben eine Hütte in der die ganze Zeit von 3 bis 4 jungen Herren engagiert Musik gespielt wird. Hier ist auch eine grosse Box mit elektrischer Verstärkung zu sehen, ich bin überrascht. Ich entziehe mich dem Fest Gelage um mein Fasten und die Diät zu schützen, lege mich lieber zu einem "Power-Nap" unter einen ruhigen Baum und lasse das Rapé nachwirken.

Dann geht es eine Runde durch das Dorf Aqua Vida. Es werden uns ausgehobene Fischteiche gezeigt die die Gemeinschaft mit selbst gezüchtetem Fisch versorgen. Wirklich überall hängen die Obstbäume voll vor allen von den von mir besonders geschätzten Gaumen. Wenn meine Diäta vorbei ist würde ich gern eine Weile nur deshalb hier verweilen wollen.  

Am Frühen Abend gibt es einen Dorf Bazar, natürlich möchte und auch hier Das Dorf ihre Besten Handwerksstücke anpreisen. Natürlich haben wir kaum Geld mit da uns das so nicht klar war/vermittelt wurde, Nunja, das nächste mal...

Der Rückweg mit dem Boot wird begleitet vom seidig scheinendem Sonnenuntergang. Der Fahrtwind im Sonnenuntergang lässt uns im T-shirt sogar etwas frösteln, ein seltenes Ereignis hier im Amazonas. Als wir ankommen sind wir überrascht wie schnell die flussabwärtige Rückfahrt ging, gefühlt 3 mal so schnell...


Donnerstag 26. Feb. 2026


Isakas Geburtstag beginnt mit einem Hornbläser, der gegen 8Uhr das ganze Dorf sympathisch lästig aus den Betten "bittet". Nachdem ich mir hochmotiviert meine Elektrozahnbürste – ein schöner Spaß, wenn andere denken, dass das Geräusch ein Amazonas-Rieseninsekt ist – aus den Kiemen gezogen habe, geht es in die Medizin-Morgenroutine. Ach ja, und heute ist die Diät beendet. Das heißt, ich darf wieder Salziges, Süßes wie Obst essen und Nummer eins: wieder Wasser trinken. Vorbei am Hauptweg werde ich von der zweiten Kuhhälfte in einer Schubkarre, die zur Küche geschleppt wird, begrüßt. Ich freue mich schon sehr auf das Festmahl heute. So wie die Kühe hier aufwachsen dürfen, habe ich richtig Lust auf Rindfleisch. Es wird für mich das erste Mal nach 3 Tagen Fasten, dass ich so schnell und tief wieder ins Essen einsteige. Normalerweise heißt es nach dem Fasten 2, 3 Tage Gemüse und eher Schonkost. Ich lasse mich auf diesen Selbstversuch ein.

Aber vorher geht es noch zu einem anderen heiligen Wächterbaum. Diese Bäume sind Hüter der Umgebung und riesig. Die Brettwurzeln haben bis zu 5 m tiefe Furchen. Mit bezaubernden Gesängen der Frauengruppe erreichen wir den Ort. Es sind einige Bänke aufgebaut, und man spürt gleich die respekteinflößende Schwingung dieses heiligen Ortes. Wir kommen zum sitzen, und es werden erstmal wieder ordentlich "Tschuru-Joints" gebaut, welche ich nach einmal Ziehen immer dankend ablehnend weiterreiche. Mir reichen die Szenerie und die Gesänge völlig aus, außerdem hatte ich vor nicht zu langer Zeit mein "Mittagsrapé", so wie Diät es vorschreibt, das mich noch gut beschäftigt. Während ich immer öfter auf der Holzbank die Sitzposition wechsle, um die Po-Schmerzen zu verlagern, frage ich mich, ob ich inzwischen wirklich so verweichlicht bin oder schlichtweg älter werde. Der Paje räuchert uns ab. Nach etwa einer halben Stunde legt Isaka Bananenblätter auf den Boden.

Wir legen uns nacheinander darauf und mit dem Kopf auf eine Wurzel des Wächterbaumes. Es wird uns der Saft bestimmter Blätter in die Augen geträufelt, ganz mild sind diese. Zusammen mit den Gebeten verbinde ich mich recht schnell mit Mutter Erde und dem Baum, mein Körper reagiert in tiefer Entspannung. Am liebsten würde ich noch eine ganze Weile so weiter in der Verbindung bleiben. Aber aus Respekt den anderen gegenüber übe ich mich in Bescheidenheit. Nun geht es um das sog. Baptism, ein Name, der mich irgendwie eher unangenehm an eine christliche Sekte erinnert. Es geht darum, dass uns ein Huni Kuin Name gegeben wird, wenn wir wollen doch alle haben Lust darauf. Bei den Männern hat einer der Pajes schon Zettel mit den Namen vorbereitet, spricht die Namen korrekt aus, während wir mit seiner Hand auf dem Kopf ein kurzes Gebet empfangen. Später gibt es auch noch Erklärungen zu den einzelnen Bedeutungen.

Danach können sich auch alle Partizipanten in einem kurzen Statement in die Kamera des Doku-Teams zu Wort melden. Vielleicht bekommen wir das Video bald mal zu sehen, auch wenn die Sichtung der Aufnahmen und der Schnitt sicher sehr viele Bildschirmstunden in Anspruch nehmen wird...

Es geht wieder zurück ins Dorf, ich vertreibe mir die Zeit, dieses Tagebuch weiter zu schreiben, bis mir ein Bruder mitteilt, dass hinter der Küche Rapé zubereitet wird. Die Menge vom Tsunu Rapé, die ich für jemanden mitbringen darf und die ein weiterer Gast hier erwerben möchte, reichte nicht, sodass neues in einem großen Holzmörser gestampft wird. Ich hatte mir das zwar alles etwas mystischer vorgestellt, muss aber auch zugeben, dass das in der Mittagssonne recht anspruchsvoll ist zu stampfen und dabei gute, positive Gedanken und Manifestationen in die Medizin zu geben.

Besonders nicht, wenn (Achtung: akute Triggerwarnung für unsere geliebten vegan/vegetarischen Mitmenschen!) daneben gleich der Grillplatz ist. 3 Feuerstellen werden von jeweils 5 Grillmeistern betreut. Über offenem Feuer dreht sich eine mindestens waschbeckengroße Rinderrippe. Daneben etliche Spieße. Es gibt auch einige Hühner auf Spießen und eine Wildschweinkeule. Es ist irgendwie wie bei Asterix und Obelix: Nach ausgiebigem Gelage gibt der Schamane den Zaubertrank und alle haben ungeahnte Kräfte...

Zumindest kann der Kontrast meines Kraftlevels von der 2. Zeremonie, mitten im Fasten, zur 3. Zeremonie, nach dem Festmal, kaum offensichtlicher sein. Bisher habe ich Ayahuasca nur getrunken mit einer mindestens 5-tägigen Vegankur ohne Weizen und Zuckerklumpatsch... Diesmal habe ich explizit gut, aber nicht zu viel Fleisch nach 3-tägigem Vollfasten gegessen, und es war richtig gut. Richtig gut war natürlich auch der Grill. Wider Erwarten wurden wir bereits am Grill eingeladen, die Messer zu zücken und uns mit unseren Lieblingsstücken zu bedienen. Als ich mir von einem roastbeefartigen Stück, außen feuerknusprig, innen blutig, abschneide, erklärt mir der Grillmeister, dass die Huni Kuin ihr Fleisch richtig durch und fast verbrannt essen. Gut, jedem so, wie es beliebt. 

Ich bin so beseelt, wieder essen zu können und zu genießen, dass es mir gar nicht schwer fällt, auf mein natürliches Sättigungsgefühl zu hören und nicht über den Hunger zu essen. Vom Fasten immer noch recht wackelig auf den Beinen – das ist hier bei der Hitze nochmal eine andere Nummer, weil man viel mehr schwitzt und die Rapé-Diät ihr Übriges tut – geht's erstmal zurück in die Hängematte.

Später am Nachmittag bläst das Horn: 1 Mal bedeutet alle zusammenkommen. 2 Mal: es gibt zu tun. 3 Mal: es gibt essen. 4 Mal: Kultur/zeremonieller Akt/Veranstaltung. Die Geburtstagszeremonie beginnt in der Haupthütte. Und es ist wirklich herrlich, in der Mitte ist ein gigantisches Buffet aufgebaut. Im Hintergrund verzieren zwei Dutzend knallbunte Luftballons den Raum. Hinter dem Buffet, auf dem auch eine erschreckend türkise Lebensmittelfarbstoff-Torte aus der Stadt steht, ist Isaka mit seiner Frau und Kind aufgebaut. Er lässt, offensichtlich recht bekifft, das Geburtstagsständchen mit portugiesischem Text und Happy Birthday Melodie leicht lächelnd "über sich ergehen". Aber die Gesamtszenerie ist einfach nur unglaublich herzerwärmend. Es sind gefühlt die Hälfte Kinder im Raum, und dafür geht alles recht geordnet und entspannt vor sich. Ich sitze einfach am Rand und inhalier meditativ, mit etwas Mambe im Mund, die Szenerie.

Da ja alle, die Hunger hatten, vorher schon essen konnten, bzw. im Grunde das ganze Dorf mit Zubereiten beschäftigt war, gab es nicht so ein "Hangry-Ellenborgerangel", wie ich es früher von so einigen bürgerlich, deutschen Buffet-Caterings kannte. Die Frauen haben Maniok, Reis, zur Feier des Tages Spaghetti, Maniok, gekochte Bananen, eine Art Couscous und natürlich Maniok den ganzen Vormittag in der Küche an der Haupthütte, mit ordentlich Kindergezappel und Geschrei, gemeistert. Kann man einfach nicht anders sagen: mucho Respeto!


Eigentlich bin ich vom Grillgelage gut gesättigt, doch ein Paje fordert mich freundlich zum Speisen auf. In dem Moment, als ich freundlich ablehnen will, kommt mein Reisekumpane Thomas angeschossen und meint, ich müsse die Rindersuppe probieren – okay, wer bin ich... Und das hat sich aber sowas von gelohnt! Recht einfach gekocht, aber unglaublich gut abgeschmeckt, die Fleischstücke super zartschmelzend auf der Zunge, hat die Brühe etwas von Ochsenschwanzsuppe. Ich hole mir 3 Mal nach, nun muss ich mich aber echt zurückhalten. 

Isaka bekommt viele Gratulationen, es werden gefühlte 100 GB Fotos geschossen, da geht hinter Isaka das Holzfenster auf und ein Kind klatscht ihm eine Handvoll Sahne oder so in den Nacken, viele lachen, manche sind wahrlich entsetzt, Isaka ist bekifft amüsiert, ich nehme keine Ego-Kränkung bei ihm wahr, Super! So soll es sein.

Weniger lustig finde ich die Torte, mein mentaler Endgegner an diesem Tag. Den Kristallzucker kann man ja verdrängen oder die dadurch entstehenden Zivilisationskrankheiten ignorieren. Mal abgesehen davon, dass Kristallzucker Gott sei Dank hier eher noch die Ausnahme als die Regel darstellt, auch wenn die ein oder andere Plastikverpackung am Wegesrand eine unschöne Tendenz verraten lässt. Aber der blaue Farbstoff, mit dem die Kinder begeistert raumspielten, der bald überall zu sehen war – Scheiße, jetzt bin ich wieder die moralisierende Spaßbremse: IST FUCKING NOCHMAL KREBSERREGEND! Es gibt kein chemisches Blau, das DIES nicht ist. Ich muss es aushalten, mal wieder. Der einzige Trost bleibt mir, dies hier niederzuschreiben und euch damit zu nerven. Wieder einmal stecke ich im "besserwisserischen, verbietenden Gesundheitsheini vs. unterlassener Hilfestellung/Aufklärungs-Dilemma". Mich macht das echt fertig...

Nun ja, meine Hoffnung ist, dass "die großen Jungs" vom Stamm immer wieder betont haben, dass wir beide Kulturen viel voneinander lernen können. So hoffe ich, dass wir von diesem Text eine einigermaßen gute Übersetzung hinbekommen.

Huch! Wo bin ich mal wieder gelandet? Ach ja: die Suppe, super lecker, nahrhaft und, in Maßen genossen recht gesund. 7 Stunden später, als wir zur Zeremonie trinken, merke ich, wie auf dieser Basis die Ayahuasca viel sanfter vom Magen aufgenommen werden kann und sich zeigt, dass kein Brechreiz auftritt, äußerst angenehm.

Nach bereits 10 !!! Minuten merke ich die Medizin in meinem System. Als würde sie direkt durch meinen Magen in den Blutkreislauf gelangen, fast ein wenig wie bei Alkohol. Isaka: "was habt ihr denn da schon wieder für ein spannendes Kraut beigegeben?" Oder liegt es an der Rapé-Diät und meiner Vorbereitung? 

Mich schießt es sehr stark in die Medizin, mein Körper ist schon nach einer halben Stunde im "Trainingsmodus". Dabei bewegt die Medizin meinen Körper zur Musik in intensiven Schwingungen. Teilweise scheint es aber auch Lockerung und Massage von vernachlässigten bzw. nicht ausreichend bewegten Körperregionen zu sein. Dabei in schamanischer, hochfrequenter Anbindung zu bleiben und zu atmen, ist der Lehrweg, und dieser ist nicht leicht und kann nur tief und wahrhaftig verdient sein. Keine Cheats, keine Ausreden, keine Abkürzungen. Die Medizin lässt mir, wie immer öfter, Anweisungen und Informationen zukommen, Empfehlungen, denen zu folgen es sehr entspannt und schön für alle werden lässt. Diese schamanische Anbindung ist ein Schatz, und ich bin mir immer nicht sicher, wie viel ich davon preisgeben sollte. Im Sinne der Aufklärung möchte ich allerdings schon mal die bewusste, ausgebildete Hellhörigkeit ansprechen.

Also sitze ich nun ca. eine Stunde nach dem Trinken in das Feuer schauend, betend, dankend, Energie haltend in einem stark von Pinta (mehrdimensionale Mustern) geprägtem Raum. Überall um mich herum fühle ich feinstoffliche Helfer des Stammes, ich fühle mich sehr gut aufgehoben, unterstützt und gesehen. Die Gebete dauern an, ich versuche die Gebete zu imitieren, die Worte fallen mir immer weniger schwer, und das Tönen ist super gut, braucht aber auch viel Kraft. Hauptsache Rasseln, ich halte mich an den Rasselton. Passiert etwas, fällt oder steigt die Energie, hören das gleich alle, wir Rassler sind wie die Grillen, Zikaden und Frösche im Dschungel. Manchmal synchron harmonisch mit der Musik, manchmal alle recht in ihrem eigenen Tempo, aber vor allem: bei sich.

Negative Gedanken kommen kurz und werden von mir (oder uns?) schnell identifiziert und ihnen die Basis entzogen. Bloß nicht in die Scheiße der Vergangenheit reinziehen lassen. Es ist passiert, ja war doof bis grausam, aber hier ist jetzt, und wir danken der Vergangenheit und den Ahnen, dass sie uns zu dem gemacht hat/haben, was wir heute sind – selbstermächtigt, aus Fehlern gelernt, es besser zu machen, und wenn wir es nicht alleine schaffen, dürfen wir uns Hilfe erbitten. Ah! Internationale Hilfe! Ich bete Hopono o pono, ein Verzeihungsritual, es ist mächtig und hilft mir sehr.


Freitag 27. Feb. 2026

Es ist soweit. Isaka macht eine kurze Ansprache und erkundigt sich nach aller Wohlergehen. Es gibt Rapé – jawohl! Der Paje, ich glaube, er mag mich, fragt mich etwas auf Portugiesisch, ich gebe ihm die Geste, dass ich ihm vertraue, und er "reinhauen" soll. Der Schuss im linken Nasenloch ist sooooo gut, dass ich hellauf begeistert bin. Mein Magen ist auch instant so begeistert, dass er ein Teil vom guten Mittagessen schneller auf Achterbahn schickt, als ich zum hohen Gras laufen kann. Üblich, kommt hier vor, in Deutschland gibt's ja immer überall Eimerchen für die Reinigung. Hier gibt es viele Pflanzen, die sehr begierig auf diesen Dünger sind. Ich gehe zurück zum Paje, um mir standesgemäß einen zweiten Schuss in die rechte Seite abzuholen, und freue mich schon wie ein Hortkind. Diesmal ist der Paje allerdings etwas verunsichert und gibt mir das Rapé ganz vorsichtig und sanft... Ich bin etwas enttäucht aber Naja, man lernt sich kennen...

Eine tiefe Meditation mit Rapé, besonders auf Ayahuasca, ist unglaublich intensiv. Schafft man es, sich in einer hohen Anbindung "zu beten", ist es gut möglich, "alten Giftmüll" aus dem System auszuleiten, als würde man jede Zelle reinigen und entsprechende geistige, mentale Anhaftungen ausspucken. Man spürt dann auch sehr gut, wenn sich solche Geister wieder versuchen dort anzusiedeln, um dies nicht zu erlauben. Im Schneidersitz komme ich langsam wieder zurück in die Szenerie der Zeremonie, ah ja, wo ist die Rassel, super! An ihrem Ort, wo sie hingehört. Und weiter geht's: Rassel, Rassel, jeder in seinem Rhythmus, wie die Grillen, Frösche und Zikaden im Dschungel, bin wieder hier, alles gut. Die Männergruppe läuft wieder in Reihe hintereinander los, die Mienen in konzentrierter Ernsthaftigkeit. Ein nicht indigener Bruder vom Filmteam hoppelt fröhlich gelaunt hinterher, ich schließe mich an, wozu bin ich schließlich hier, wenn ich nicht weiter übe und trainiere...

Ich habe gut zu tun, mir dreht es ordentlich, Opa Tabak durch Raps in meinem System hat mein sensibles Empfindungsfeld in etwa verdoppelt, und ich halte bewusst in etwa 2 m Abstand zu meinem fröhlich "hopslaufendem" Vordermann. Zeitweilig habe ich das Gefühl, dass ich mehr Haftung und Gravitation durch die Klänge meiner Rassel verspüre als zur Erde. Aber ich kann mich gut verlassen auf meine straken "Wander-waden".

Kalter Schweiß überall – Atmen, laufen, rasseln, ganz einfach. So hat der Geist auf jeden Fall keine Chance, auf "dumme Gedanken" zu kommen. Jeder, der schonmal Ayahuasca oder Psychoaktive Substanzen genommen hat, kennt das sicher, wie lang man sich an irgendwelchen abstrakten Geisteskonstrukten aufhalten kann. Hier ist dies allein schon durch die Zeremonialstruktur von Anfang an weitaus weniger gegeben. Es verbietet allein schon der Respekt von uns als Gäste, zu viel geistigen Schund mitzubringen. "Viva Alegria!" – reine Lebensfreude schallt es allzu oft aus dem Stamm! Also gebe auch ich mein Bestes, dem nachzukommen.

Die schwarz-gelben Röcke der Frauentänzerinnen ums Feuer wedeln mir nur so um den Verstand. Die Dresdner Dynamofans würden ausrasten wenn sie das sehen könnten. Vor mir eine beachtliche Gruppe Indigener mit ihrer respektablen Haltung, besonders in diesem Zustand. Was für eine Schönheit, eine Ehre, ein Privileg, dem beiwohnen zu dürfen. Es kommen nun auch von den Elders Menschen dazu. Isaka führt die Gruppe an, es wird bewegter. Hand in Hand, schlangenlinienartig mit teilweise richtig engen Kurven geht es mal richtig langsam um innen Kurven, dann plötzlich unglaublich schnell in die Außenkurven. Mir ist flau, und kurz denke ich, dass ich ohnmächtig werde. Einfach weiter rasseln und konzentrieren, mir kann nichts passieren. Und wenn ich ohnmächtig werde, egal, mein umfallender Körper wird sofort aufgefangen in dieser Gemeinschaft, und vielleicht erlebe ich dabei noch einen interessanten Ausflug. Auf jeden Fall weiterhin alles geben: Rassel! Rassel!

Ohnmächtig werde ich nicht, in der nächsten Musikpause gönne ich mir, mich auf meinem Schlafsack abzulegen, Regeneration. Nach etwa 5 Minuten merke ich, wie wieder "dumme Gedanken" in mir aufkommen. Ich merke es daran, dass diese versucht sind, Energie abzuziehen. Ich erinnere mich, dass hier darum gebeten wird, dass die Zeremonien im Sitzen stattfinden. Sicher haben wir die Gäste hier Gastrecht und Welpenschutz, aber ich selber sehe mich hier schließlich in schamanistischer Fortbildung. Als ich mich aufraffe, sehe ich, wie Isaka, mich im Fokus, auf mich zukommt – ich nicke ihm von weitem zu: "habe verstanden, bin wieder da", und er lässt kommentarlos von mir ab. Mal wieder eine beeindruckende Synchronizität, die aufzeigt, wie direkt alles miteinander in Verbindung steht.

Gut, einfach wieder rasseln und mitlaufen. Ich bin auch wieder stabiler, es macht wieder richtig Spaß, dabei zu sein, und ich bin wieder wie ein kleiner Junge, der mit offenem Mund diesem Stammestanz beiwohnt und bestaunt. Wie sich die innere Frequenz anzieht, wenn wir vorn an den Musiker/innen vorbeiziehen, konzentriert beäugt von den Elders, die sich konzentriert mit ihren Familien in dieser unbeschreiblichen Würde aufgebaut haben, um das Spektakel zu halten. Und schwupps geht es in einem Heidentempo wieder ums Feuer. Eine konzentriert ekstatische Bewegung, wie ich es bei unseren alten Fruertänzen in Deutschland immer bei den anderen angetrieben und provoziert habe. Diesmal könnte ich fast der Angetriebene sein, aber eben nur fast, denn ich komme sehr gut mit, und mein Herz schreit laut: Ja! Das ist es!

Und so vergeht eine Weile in feierlicher Stimmung, bis langsam die ersten Vorboten der Dämmerung zu erahnen sind und man beginnt, sich langsam wieder zu erkennen. Zwischen dicken Nebelschwaden zeichnen sich surreal verschlungene Baummuster ab, gesäumt von rosabetupften Schäfchenwolken in der Morgendämmerung. Die Vögel und Tiere rasten, so entnehme ich es den Geräuschen, förmlich aus vor Freude, als der neue Tag erwacht. Ebenfalls rasten die Mücken aus, wenn sie mich Weißling zur Morgendämmerung lecker durchgeschwitzt, regungslos in der Morgenmeditation vorfinden. Später beim Suchen erkenne ich in der Kniekehle einen Fleck von ca. 5 Quadratzentimetern mit ungelogen ca. 30 Mückenstichen – auf der einen Seite!

Ich bin bei den anderen deutschen Teilnehmenden, die Sonne geht langsam auf. Ich erzähle angeregt Erlebnisse und Mythen von Taita Querobin, einer Ayahuasca-Ikone der Cofán, gestorben 2024 im Alter von 108 Jahren. ... "Mit Ayahuasca kann man den Weg des Egos oder den des Herzens bestreiten"...

Isaka ruft: "Haux Haux", wenige antworten etwas müde "Haux" als Bestätigung. Isaka ruft etwas klarer und bestimmter, und sehr viel mehr antworten recht klar "Haux"! Er holt sich somit das Wort für die Abschlusszeremonie. Wir kommen im Kreis Hand in Hand zusammen. Nach nun schon etwas bekannterem Ablauf kommen wir in ein Abschluss- und Erdungsgebet. Die Zeremonie beendet, die Helferenergien werden dankbar verabschiedet. Die Familie findet sich noch einmal im Kreis jubelnd wieder, Applaus für alle am Ende.

Isaka gibt uns nun noch ein paar Anweisungen für die Heimreise. Ja, um 9 fährt das Boot zurück in die Stadt. Ich hatte von Anfang an großen Respekt und etwas Bedenken vor diesem Morgen. Nach solch einer intensiven Zeremonie, wo Mensch unter Normalzuständen wirklich erstmal mit mindestens 3 Stunden ruhen sollte. Ohne Regenerieren und Erden, eine ganz schöne Herausforderung. Ich nehme es schamanisch sportlich, mit 3 CBD-Tropfen, etwas Mambe und gutem Herzenswillen sicher machbar. Ich beginne meine 1000 Sachen zu packen, sortiere digitale Welten, USB-Kabel, SD-Karten von spirituellen Werkzeugen und Medizinen. Vorbei an T-Shirts und Unterhosen – "oh, diese Orange ist leider nicht mehr gut". Das Ganze auf 2 Quadratmetern mit permanent dem Moskitonetz im Weg, während die beiden Nachbarn links und rechts gleichzeitig genauso rumpeilen. Noch eine ganze Menge zu packen, kommen zwischendurch liebgewonnene Menschen vom Dorf vorbei, bieten weitere Dinge zum Verkauf an oder wollen bereits vereinbarte Tauschgeschäfte abschließen. Gelegentlich erwische ich mich dabei, wie ich mir grummelnd schwöre, nach einer solchen intensiven Zeit und großen Zeremonie nie wieder ohne Integrationstag(e) abzureisen.

Ich schaffe es nicht ganz und muss Isaka um weitere 30 Minuten bitten, aber es läuft soweit alles entspannt und schmerzfrei. Verabschiedung von denen, die im Dorf noch auffindbar sind. Es geht in praller Mittagshitze die etwa 1,5 km zum Bootsanleger. Diesmal wird unser schweres Hauptgepäck leider nicht mit den Ochsenschlitten abtransportiert, und so schleppe ich mich mit den 40 kg Gepäck in gefühlten 38 Grad langsam voran. Das lästige Gefühl, dass ich alt und schlaff werde, lässt mich dabei leider nicht ganz los.

Zwischenstation auf dem Weg: ich bekomme das abgesprochene und bezahlte halbe Kilo weltbestes Tsunu Rapé vom Rapé-Paje in die Hand gedrückt. Er will sich davon einen Kühlschrank kaufen und freut sich sehr. Ich freue mich sehr darüber, dass ich in Deutschland mit diesem Geschenk so einigen eine riesen Freude machen kann. Am Bootsanleger überreiche ich Isaka als Abschiedsgeschenk den Audiomitschnitt von der letzten Nacht. Der Feuermeister bekommt unerwarteterweise noch mein geliebtes Gillette Opinel mit der besonders langen, scharfen Klinge als Wertschätzung für seine fast unsichtbaren, wertvollen Dienste. Er fühlt sich, glaube ich, sehr gesehen und wertgeschätzt. Ich verkrieche mich mit den anderen 6 Anreisenden und dem Gepäck auf das Boot. In Erwartung, dass meine extreme Überhitzung vom Fahrtwind schnell Normalität erfährt. Ich werde nicht enttäuscht, flussabwärts sind wir gefühlt 3 Mal so schnell unterwegs wie flussaufwärts. Wir winken vom Boot den Dorfbewohnern am Bootsanleger. Ich bin, wohl auch vom Mambe, gut gelaunt und mache ein paar Späße, auf die aber kaum jemand reagiert. Hm... War das unangemessen, habe ich was falsch gemacht? Bevor ich mich in Selbstzweifel verwirren kann, merke ich, wie fertig alle sind. Drehende Augen und herunterhängende Mundwinkel erklären die Reaktionslosigkeit. Eine Viertelstunde später schläft fast das ganze Boot. Ich bin dank Mambe lustig dabei, die Zeit zu nutzen und diese Zeilen hier weiter zu schreiben.

Wir befinden uns auf dem Fluss, Rückfahrt in die Stadt. Der 27.2. Ich komme immer wieder an Erinnerungsfetzen vom Wasserwandern auf der Seenplatte, Spree oder Elbe. Sehr ähnlich, nur schön warm, und wenn man genau hinschaut, sehen die Blätter der Vegetation etwas anders aus. Ansonsten alles ähnlich. Meine Gedanken überkreuzen sich und ergeben eine Quintessenz: "den Amazonas mit dem Faltboot runter". Meine Vernunft kräht gleich: Nein! Gut, gut, ich habe andere verrückte Sachen zu tun. Haben aber bestimmt schonmal welche gemacht – waren bestimmt Sachsen mit nem RZ 84 ;-)

Am Bootsanleger, einer Art Tankstelle mit Shop, an dem be- und entladen wird, frage ich provokativ nach dem Müll, um unseren Müllbeutel, den wir aus dem indigenen Dorf zurückgebracht haben, entsorgen zu können. Ich blicke von den 10 Herren der Tankstelle in ignorant ahnungslose Gesichter. Ich komme mir mal wieder vor wie ein Außerirdischer. Ich übersetze extra provokant mit meinem Handy: "Onde posso descartar esse lixo?" Ich weiß, dass sie mich verstehen, aber alle versuchen, nicht zu reagieren. Ein Deutscher, mitreißend, flüstert mir ins Ohr: "Komm, lass das mit ins Hotel nehmen, die schmeißen den Müllsack sonst nur in den Fluss." Ich muss anerkennen, einfach nur den Müll aus dem Dorf mitzunehmen, ist ein wichtiger Anfang, aber das Problem liegt tiefer.

In Tarauacá gibt es keine Taxis, aber 2 Uber-Fahrer sind schnell da, um uns ins Hotel zu fahren. Eingecheckt freue ich mich auf einen Powernap, und nachdem ich frisch geduscht mit Handtuch um die Hüften zurück ins Zimmer komme, klopft es an unserer Tür. Was für eine schöne Wochenendüberraschung! Schamane Yaki – Isakas Vater und Häuptling des Stammes a. D. – steht in unserem Zimmer. Damit hatte ich nicht gerechnet, bin hocherfreut und ehrfürchtig schnell bemüht, mir eine Hose anzuziehen. Wir gehen gemeinsam Essen. Ich habe so meine Bedenken. Werden wir etwas finden?

Samstag 28. Feb. 202 

Montag, 25. Oktober 2021

den Trend zu hassen ist auch nur ein Trend ...

Ich habe grade die letzten Tage Alligatoah (erst) kennengelernt und dieses Lied von ihm hat mich besonders (gut) im Refelktiv getriggert. Da es sogut zu diesem Blog passt wollte ich euch es nicht vorenthalten...

Freitag, 27. Januar 2017

Temazcal

Nach dem gestrigen Regentag, ich habe im Grunde den ganzen Tag in meiner Lodge am Laptop verbracht, gib es heute recht früh zum Organic Market im Dorfzentrum. Hier gab es endlich mal halbwegs vernünftiges Brot von einem europäischen Farmer der zumindest mit Vollkorn Weizenmehl bäckt. Auch Schischa ein Fermentiertes Mais-Getränk was etwas an Kombucha erinnert kann man hier für 1$/Liter erwerben.

Dann geht es auf zum „Sacret suenos“, der Permakultur Community in den Bergen.
Der Aufstieg ist durchschnittlich anstrengend und geht oft durch recht Ausgespülte Wanderwege. Diese sind teilweise so gründlich ausgespült das man in einem Canyon von bis zu 3meter höhe läuft und da es gestern regnete sind diese teilweise gründlich verschlammt. Diese sind aber dank meinen neuen „Ziegenverfolgungslatschen“ aber kein Problem.

Auf dem Weg zu „Sacret suenos“ kommen wir an einer Kuhweide welche sehr an eine klassische Alm erinnert vorbei. Wir finden jeder eine Handvoll „Psylo Cubensis“ diese gelb/weisse Pilze mit blau/schwarzen Lamellen sind leicht zu erkennen und für psychoaktive Pilze hier aus unerklärlichen Gründen besonders groß.

Diese auf dem Kuhmist gewachsenen wurden hier wohl auch nicht ganz unbeabsichtigt verbreitet. Mein Reiseleiter berichtet mir das diese hier auch die gelben Lehrer genannt werden und abgesehen von der psychoaktiven Wirkung stark medizinisch auf Knochen Gelenke und Sehnen wirken – und teilweise hauptsächlich deswegen genutzt werden.

Auf dem „Sacret suenos“ angekommen finde ich eine schöne organische Terrasse mit atemberaubendem Ausblick und – JUHU!, genau richtig, ein paar Decken und Kissen für ein Powernap in 2200m Höhe. Nach Mittagessen und Gesprächen mit den Bewohnern geht es dann den Berg wieder hinab – diesmal einen anderen, zauberhaften, Weg bis wir an einem schönen Bunten und vom Leben durchdrungenen Haus ankommen – es gefällt mir hier gleich sehr gut.

Hier Wohnt eine Familie mit Kindern welche einen Laden mit Kosmetik, natürlichen Medizinprodukten und Schmuck im Dorfkern betreibt. Nach der freundlichen Begrüssung bemerke ich zu meiner Freude das auch zwei deutsche Mädels anwesend sind und so kommt man schnell ins Gespräch.

Dann geht es auch gleich los – Schwitzhütte vorbereiten.




Etwas Abseits der Hütte an einem kleinen Bach ist schon das Schwitzhüttengestell dauerhaft aufgebaut und wird schnell mit Decken abgehangen. Die noch Regennasse Feuerstelle wird präpariert und Wasser aus dem Bach rangeschafft. Wir sind ca. 10 Leute und jeder bekommt ein von den Schwitzhütten Steinen gereicht um sich etwas zu wünschen, für sich oder laut in die Runde diese kommen auf die dafür vorbereiteten Holzstämme. Jeder bekommt so 2 bis 3 Steine um sie bewusst auf die Feuerstelle zu legen. Der Zeremonienmeister meint das wir die Steine später wiedererkennen werden. Dann wird gemeinsam das Feuer angezündet, ziemlich aufregendes unterfangen wenn 10 Leute mit Streichhölzern eine nasse Feuerstelle versuchen anzuzünden. Mit Kerzen und Pappe wird nachgeholfen – Es brennt endlich.

Der Zeremonienmeister erzählt das die Schwitzhütte den Bauch der Erdenmutter verkörpert und die heissen, glühenden Steine die Samen der Sonne darstellen. Während der aufreibenden Brut wird dann der neue Mensch aus dem Schwitzhütten – Erd – Körper geboren. Am Feuer sitzend werde ich höflich gebeten mich umzusetzen – verstehe garnicht wieso – AhJa – alles klar, ich sitze zwischen Schwitzhüttentür und Feuerstelle – dieser Weg muss aber frei sein.



Wir sitzen nun alle chillig ums Feuer es wird musiziert geredet - Pfeife geraucht. Nicht für mich denn Ich merke wie die Pilze welche wir bereits auf dem Weg zu Schwitzhütte genascht haben ihrer Wirkung dezent, fast subtil, vorsichtig wie immer ;-) gerecht werden... Auch die Steine werden sichtbar immer heisser.

Der Zeremonienmeister bittet und aufzustehen und bläst jeweils in die 7 Richtungen auf dem magic Muschelhorn. Er bittet die 7 Richtungen, die Geister, um wohlwollen, Schutz und Beistand bei unserer Reise- so richtig im Detail kann ich es auf spanisch zwar nicht verstehen – aber ich habe eine gute Ahnung wohin die Reise geht, das kommt mir doch alles sehr bekannt vor... Nach kurzer Respektvoller Andacht kommen wir wieder in vor freudige Alegria Stimmung mit Musik, trommeln und Rainbowsongs.

An und für sich kommt mir diese Symbiose von bewussten Menschen aus vornehmlich Deutsch und Spanisch sprechenden Menschen sehr bekannt vor - von den Kanaren Gatherings welche ich in den letzen Jahren ja recht häufig besucht hatte. Da haben wir die Deutschen welche sich oft mit ihren schweren Gedanken und Anhaftungen oder gar Komplexen – im Mystischem Sinne könnte man Dämonen sagen, quälen wobei sie doch ganz liebe Menschen sind. Die Spanisch sprechenden Menschen wirken vorerst recht fröhlich, lustig und locker evtl. oberflächlich – Alegria halt. Auch wenn dem Mitteleuropäer auch eine grosse Freude im Herzen wohnt und man dem spanisch, südlichen Temperament auch eine grosse Tiefe zuzuschreiben kann – wenn beide bereit sind dies zuzulassen. An dem heutigen war dies genau so gegeben und hat unsere gemeinsame Reise sehr bereichert.

Auch sehr bereichert hat mich die Erfahrung vom Rappel. Dies ist ein fein gemahlener Schnupftabak welcher mit verschiedensten Kräutern angereichert wird, um diesen mit einem Röhrchen in die Nasenhöhlen gepustet zu bekommen – oder selber zu pusten. Da ich seit einem halben Jahr ein grosse Fan von Schnupftabaken bin habe ich mir die Gelegenheit dies vertrauensvoll ausprobieren zu können natürlich nicht entgehen lassen. Es hat mächtig gebissen, Tränen laufen, aber irgendwie sehr angenehm, aufregend, nicht betäubend sondern richtig klar. Und mir war so als könnte ich meine Aufgaben Blockaden aber auch Potentiale vor und besonders während der Schwitzhütte viel besser, klarer zu erkennen.

Es geht los, der Zeremonienmeister bitte uns sich vorzubereiten, nochmal auf's Klo, naksch machen, Sachen sicher verstauen. Wir werden der Reihe nach vor dem betreten der Schwitzhütte ab geräuchert und betreten die absolut dunkle Schwitzhütte. Während wir sitzen und auf die Steine warten singen wir ein fröhliches Lied auf Spanisch es wird angefügt Liebe, Paz, Alegria, Libertat, Harmonia, Salud, usw... - die Wünsche auf unserer Reise.

Die Schwitzhütten „Porta“ wird geschlossen und das Wasser auf den Steinen mit einem lauten „Aho!“ Begrüsst. Der Zeremonienmeister erzählt währenddessen etwas auf spanisch das ich nur zu 10% verstehen kann – doch da von den anderen Anwesenden, der Liebe und dem Leben zugewandten „Hippies“ keiner rebelliert - gehe ich davon aus das das alles seinen Gang geht und dies auch in meinem Sinne ist. Es wird angenehm warm und so langsam beginne ich um den Kopf zu schwitzen. Wir singen und atmen Tief. Dann ist der erste, milde Gang beendet und die Porta wird wieder geöffnet.

Wieder erwarten gehen wir nicht raus, sondern bleiben sitzen und geniessen die frische Luft. Und wieder das fröhliche Lied auf Spanisch mit unseren Wünschen. Mein innerer Dialog – das ewig selbige Geplapper des eigenen Verstandes, der Konditionierungen ist schon fast verklungen und ich singe fröhlich mit - es fühlt sich leicht und heiter wie in einer lustigen Kindergartengruppe.


Es wird eine Schale mit in Honig getränkten Pilzen gereicht. Ich fische mir andächtig vorsichtig einen kleineren Pilz heraus und lange dann voller Freude nochmal lustvoll den Finger in den unglaublich leckeren Honig. Hm... Währenddessen werden immer mehr Steine in die Schwitzhütte getragen und ich bekomme eine respektable Vorahnung – hatten wir echt soooviele Steine auf dem Feuer?

Die zweite Runde beginnt die „Porta“ wird wieder mit einem lauten Ahooo! Geschlossen. Der Zeremonienmeister kippt haufenweisse Wasser auf die Steine und bittet uns tief zu Atmen. Ich Atme soweit mir möglich – auch wenn das Angst-Blockadebedingt nur ca. 1/3 des gefühlt Möglichen ist – was es auch nicht viel einfacher macht. Die Hitze drückt unerbärmlich vom Kopf bis fast zu den Füssen – es wird wieder gesungen – der Gesang hilft nun sich abzulenken. Die ersten Psychonauten verlassen die Schwitzhütte. Der Zeremonienmeister kippt nachdem die Porta schnell wieder geschlossen wurde den restlichen Wassereimer komplett über die Steine, ein Raunen geht durch die Hütte.

Ich beginne mich zu fragen ob ich auch rausgehen sollte. Aber NEIN! – mein innerer Dialog: „wie soll ich denn meine seit langen anvisierte Ayahuasca „Operation“ überstehen wenn ich nichtmal diese Schwitzhütte durchstehe?“. Ich fühle mich schwach und ohne Erdung, habe das Bedürfnis mich mit dem Bauch auf die Erde zu legen, dazu ist aber kein Platz. Ich helfe mir aus und leite die überschüssige Energie vom Solarplexus mit den Händen in die Erde ab. Und immer wieder Atmen.

Mit einem lauten Ahooo! Bestätigen die Insassen die „Porta“ wieder zu öffnen. Etwa die hälfte der „Passagiere“ verlässt nun die Schwitzhütte und es gibt lange frische Luft, es wird wieder aus haltbar. Ich habe dennoch mächtig mit mir zu tun. Ich frage nach Wasser und ich kill eine halbe Flasche. Wie soll ich die dritte – die nächste Runde überstehen?

Ich frage ob ich mich legen könne, aber der Zeremonienmeister meint das sie mit Vertrauen in Mutter Erde beständig bleiben und wenn es zu arg wird den Kopf nach vorn zur Erde zu legen. Vertrauen! Na super! Da haben wir doch wieder mal so eine Baustelle...
Er erzählt das die nächste „Porta“ nun die „Porta“ zum sterben sei. Ich verstehe - das alte mystische Schamanen-Ding, altes nichtmehr nötiges, überwundenes stirbt und wir legen es ab wie eine Schlange ihre alte Haut. Da habe ich natürlich echt Bock drauf und es motiviert mich zu bleiben und das jetzt einfach mal durchzustehen.


Ich erkenne den grossen Stein wieder, welchen ich zu Beginn in die Hand bekommen hatte, um ihn aufzuladen und auf die Feuerstelle zu legen. Er glüht bedrohlich vor mir... Aha! Nach einem weiteren kräftigen Schluck Wasser schliesst sich die „Porta“ wieder. Der Zeremonienmeister haut plötzlich schnell hintereinander Wasser auf die Steine und ich geh einfach nur noch kniend mit dem Kopf zu Boden. Er meinte das wir jetzt nur noch Liebe einatmen, die pure Liebe. Ich erinnere mich an einen Tipp den ich von einer Atemlehrerin während des Gailalda bekommen hatte und übe dies konzentriert – es hilft mir sehr weiter. Und dennoch bin ich kurz vorm Heulen, aber es gibt keinen Ansatz dazu. Vertrauen, ja so ist das also... hm... garnicht so schlecht.

Die Anderen Insassen sind da schon viel weiter sie singen fröhlich ihre Lieder und chanten sich schön einen ein. Sie sitzen da gefasst, konzentriert, Profis. Sie wirken ein wenig wie Ausserirdische von einem Anderen Stern, als würde sie das garnicht tangieren – sicher haben sie schon ganz andere Geistesübungen durch. Wenn ich versuche mitzusingen bekomme ich grade so ein Wort herraus, es dreht ordentlich in der Rübe, ich lasse es wirken und konzentriere mich auf die Atmung. Im Grunde verbringe ich den ganzen dritten Gang, die dritte „Porta“ in der Kindchenstellung mit der Stirn auf dem Boden.
Der Zeremonienmeister gibt einen ordentlichen Wassernachschlag ist aber bemüht uns dabei auch einen ordentlichen Schlag Wasser abzugeben was wir dankbar annehmen. Dann kippt er wieder den Rest des 20 Litereimers über die Steine in der Erdmulde. Es vergehen noch ca. 3 Minuten von denen ich nix mehr weiss. In vor freudigen Einvernehmen wird das öffnen der „Porta“ von den Insassen mit einem „Ahoo“ begrüsst. Ich freue mich schon raus an die frische Luft zu kommen aber die Insassen machen keine Anstalten aus der Hütte zu gehen – der Zeremonienmeister fragt mich ob ich raus will und lässt mich vorsichtig wacker zitternd aus der Schwitzhütte krabbeln.

Vor der Schwitzhütte breche ich augenblicklich zusammen. Endlich kann ich auf der Erde liegen und muss nichtmehr sitzen. Den besorgt fragenden kann ich nach ca. 3 Minuten endlich vermitteln das alles okay ist und ich hier einfach nur liegen muss – HA! wie ein besoffener der im Graben liegt und einfach nicht weg will. Dann bekomme ich 2 ordentliche Wassereimer über und bin nach 10min. Wieder in der Lage mich aufzustellen. Danach geht es zu einer ausgiebig, gründlichen Reinigung in den Bach – was Wasser doch so alles wegzuspülen vermag.

Nachdem auch die letzten Schwitzhütten Insassen – sie haben sich wohl in der offenen Schwitzhütte langsam, meditativ runter kühlen lassen sich gereinigt und bekleidet haben, treffen wir uns alle wieder am Feuer. Es gibt einen Dankescircle der mich sehr ans Rainbow erinnert – wir umarmen uns alle einzeln, gegenseitig und bedanken uns beieinander.


Mein Reiseleiter hatte mir ja schon vor ein paar Tagen erzählt das heute Schwitzhütte bei einem Freund ist. Er erzählte das M. Keine Rituale mache und ich erwartete eine Schwitzhütte ähnlich wie wir sie z.b. beim Gailalda bisher immer gemacht hatten. Dies war allerdings nur ein Trick vom Reiseleiter um mich vor meinen eigenen Erwartungen zu schützen – sehr schlau - Vielen Dank dafür!

Gemessen an dem was ich bisher erleben durfte war dies die authentischste Schwitzhütte. Eine bestimmt aber undogmatisch, entspannte Zeremonie welcher es an Tiefgang und Freude keinesfalls fehlte. Vielleicht schaffen wird das in dieser Qualität ja auch mal bei uns in heimischen Gefilden. Dann aber sicherlich besser ausserhalb des Feier – Kontextes.

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Samstag, 19. März 2011

Die Nilgiri Berg-Schmalspureisenbahn



schaut euch meinen Lieblingsfilm meiner Südindien-Welterbe Tournee an!

Flower Power ganz authentisch…

besonders sympathisch ist das man früh um 7 von laut rufenden Frauen geweckt wird die in einem Korb frische Blumen und Blumengränze verkaufen. Mann stelle sich in unserer spirituell toten Gesellschaft einmal vor es kommt jeden Morgen Jemand mit den schönsten Blumen vorbei damit man seinen Hauseigenen Altar schmücken kann… Strom? Mangelware! Irgendwie erinnert mich Indien auf eine sehr Sympathische Art und weisse an die Fetzen DDR Erinnerungen meinerselbst. Wie hier durch Improvisation Mangel beseitigt bzw. ausgeglichen wird, ist es dem alten Ost-Sprichwort: "Aus Scheisse ein BonBon machen" zweifelsohne gerecht. In manchen Städten gibt, bzw. sollte es immer Strom geben, in anderen Provinzen gibt es festgelegte Zeiten. Im allgemeinen fällt regelmässig zwichen 6 und 8 der Strom aus. Das erklärt sich sicher mit der Stromspitze ausgelösst durch die Millionen Werktätigen Inder. Aber dann beginnt die Show erst, nun hört man überall die weitverbereiteten Generatoren anspringen. Oft stehen diese ganz offensichtlich neben dem Ladeneingang oder im Hof der Hotel-Lodge und verbreiten Gestank und Lärm, sodass man ohne Ohropax sowieso nichtmehr schlafen kann… Viele Läden wie die weitverbreiteten Internet-Call-Shops und Banken mit Geldautomaten haben aber auch einen Großen Block Autobatereien der bei Stromausfall sofort einsetzt. Nun Frag ich mich mit meiner Grünen Brille natürlich WiSo man hier nahezu KEINE Solarzellen sieht. Wenn die meisten Inder schon einen Grossen Block Strom-Speicherkapazität bei sich stehen haben währe es doch das leichteste diese Mit auf dem Dach angebrachten Solarzellen anzubringen. Das Argument die Inder hätten dafür kein Geld gilt nicht da die Inder immerhin Geld genug haben im Grossen Stil Autos zu kaufen, sodass die hiesigen Autohersteller tatsächlich PRODUKTIONSENGPÄSSE und Wachstumsraten von 30% haben Bevor ich allerdings in "böse Verschwörungstheorien Multinationaler Ölkartelle" absinke schiebe ich dies einfach auf … weiss nicht … Unbewussttheit, vielleicht? Wenn den Indern mal jemand erklären würde wieviel Rupies sie nach ca. 3 Jahren Betrieb damit sparen können, würde es hier sicher anders aussehen, man bedenke die mind. 12Stunden pralle Sonne, oder länger… Die Hauptenergiequelle scheint meinen Beobachten zufolge Kohle zu sein. Permanent sieht man durch die Bahnhöfe beträchtlich lange Güterzüge welche aussschliesslich mit Kohle Beladen sind. In Indien gibt es übrigens seit vielen Jahren ein Verbot von "normalen" Glühbirnen und sehr schöne alternative Exemplare von Energiesparlampen, allerdings mit einer anderen Fassung als die unsere.

Gedankennotiz:

Unsere "geliebten" Gegner der regenerativen Energien haben meiner Meinung nach sowieso den grossen zentralistischen Denkfehler, welcher besagt Regenerative Energiequellen würden nicht ausreichen um unseren Energiehunger zu stillen. Wer so denkt das ein Paar Windkrafträder und Parks, ein paar Solar/Solarthemie-Kraftwerke Atom und Kohle Kraftwerke ersetzen können ist sicher auf dem Holzweg. Die Energiewende stellt sich eher in einer Dezentralen Eigenversorgung dar. Warum auch Energie über Hunderte von Kilometer transportieren, wenn in Zukunft Häuser von Anfang an Mit einem Solardach ausgestattet sind? Bio-Sprit, E10, Biogasanlagen usw. halte ich allerdings aus für einen Holzweg. Besonders wenn dafür Weizen, Mais, Zuckerrohr und andere Lebensmittel verwendet/verbrannt werden, ich finde dies im globaler Perspektive Unverantwortlich. Es kann nicht angehen das in Indien/Afrika/Südamerika die Lebensmittel in's Utopische steigen, sodass sich Einheimische nicht's mehr zu essen kaufen können, nur weil wegen unserer "Getreideverbrennerei/Vergärung" der Weltmarktpreis steigt

Vorbildfunktion

Fukoshima ist neues Wasser auf den Mühlen der Atomkraftgegner. Neben dem Typischen "Wir-Haben's-ja-gewusst-Geschrei" sollten wir uns nun aber ernsthaft und vor allem Lagerüberschreitend Gedanken über unsere Energiepolitische Zukunft machen. Hab ihr mitbekommen das EINEN TAG nachdem die obskure Pause der Laufzeitenverlängerung von Bundes-Angy beschlossen wurde, China sein Bau von 27 neuen Atomkraftwerken abgesägt hat? Ich denke gerade für die Industrie und Produktionsmacht China währe eine Massive Produktion von günstigen Solarzellen vor allen für die Sonnenländer/kontinente von enormen Vorteil. Aber zurück zum Atomausstieg. Wir sollten uns unserer Weltweiten Vorbildrolle wirklich bewusst werden. Hier in Indien wurde in etwa folgendermassen berichtet: "Da Deutschland sich nun aufgrund Fukoshima SEHR BALD ENDGÜLTIG von der Atomkraft verabschiedet, hat auch China nachgezogen…" oder: China hat den Bau neuer Atomkraftwerke ausgesetzt weil die Kosten für Atomkraft nun emens nach oben berichtigt werden müssen. "Atomkraft ist nicht mehr Rentabel" tönt es im Tenor aus den Funkhäusern von BBC, CNN und Bloomberg - Das Todesurteil.

Tötet Mounty Burns!

Das Argument das es Überhaupt nix bringt die Atomkraft in Deutschland abzuschaffen da ja sowieso die ganzen Nachbarländer, besonders Frankreich, und Belgien mit seinen erschreckend veralteten Meilern noch Atomkraft nutzen, ist ebenfalls eine Farce. Es geht hier um langzeitige Generationsüberschreitende Entscheidungen, denn ich hoffe in 50 Jahren wird keine Atomkraft mehr nötig sein. Im besten Fall wird eines Tages der Besitz von nuklearem Material von WHO, UN oder sonst einer Erdregierung geächtet. 


  


Im Geopolitischen Feld von Mitteleuropa sind Atommeiler relativ sicher, hoffe ich. Und wenn man einmal etwas hat ist es Verschwendung es wegzuschmeissen und nicht bis es veraltet zu gebrauchen. Ich Träume davon das wir mal eine Regierung haben die Generell Profit durch Atom und vielleicht auch Kohlenmeiler verbietet. Der Mit Atom/Kohle erwirtschaftete Profit, welcher eh nur in das Internationale Börsen-Poker fliesst, könnte durch die Regierung abgeschöpft werden um damit alternative Energiequellen zu installieren bis die Veralteten Atom/Kohle Technologien komplett regenerativ ersetzt sind. Ich möchte diese ewiggestrigen Nörgler bitten mal ihre Enge "Deutschlandbrille" abzusetzen und sich global umzuschauen. 



Denk mal Drüber nach!

Freitag, 11. März 2011

Indien ist schmutzig, zumindest für deutsche Verhältnisse, davor wurde ich schon zu beginn meiner Reise gewarnt. Da ich mich darauf von Anfang an eingestellt habe, gab es bisher auch keine Probleme. Auch von soviel berichteten Durchfall-Attacken wurde ich bisher komplett verschont.

Doch heute hat sich mir wirklich fast der Magen umgedreht. In einem kleinem Hotel in dem es mein Lieblingsfrühstück "Egg-Parota" gibt musste ich auf Toilette. Ich wurde nett auf den Hinterausgang verwiesen und war doch recht verwirrt als ich im Hinterhof mitten in der "Küche" stand. Die Köche verwiesen mich weiterzugehen. Vorbei an einer wirklich stark stinkenden Jauchegrube zur Toilette konnte ich von dort aus das treiben in der 3 m entfernten Küche hören. Das war das letzte mal das ich dort gegessen habe. In Zukunft versuche ich zu vermeiden in den Kantinen, in denen ich esse, auf Toilette zu gehen...

Sonntag, 6. März 2011

Weltperspektive

Wenn man fernsehen wie NBC oder CCN in Indien schaut bekommt man eine wirklich ganz andere Perspektive auf unser kleines Deutschland. In politischen Debatten werden wir in einem Atemzug mit den Amerikanern genannt. Das Deutsche Wirtschafte und Wissenschaftsministerium hat hier regelmässig Werbeblogs geschaltet mit der Aussage das Deutschland führend in ökotechnologien und Investitionen und ist. Das stärkt sehr das Selbstbewusstsein. Wenn man bis vor einer weile davon ausgegangen ist das einem als Deutscher die ganze Welt aufgrund unserer Geschichte hassen sollte ist im allgemeinen zumindest in Indien das absolute Gegenteil der fall. Wenn man sagt man ist Deutscher fangen hier die Augen an zu glänzen und das nicht wegen dem Geld weil das ja vorher schon klar ist da man ja weisser Tourist ist..

Montag, 28. Februar 2011

Kulinaria

Wir Europäer verstehen es um dem Begriff Essen eine hingebungsvolle Kultur zu zelebrieren. Dem Essen ganze Abende zu widmen und es als Anlass oder Vorwand für Treffen und Kommunikation zu nutzen. Nicht so die Inder. In Indien ist Essen eher ein nötiges übel dem nicht viel Bedeutung beigemessen wird. So sitzt man in einer der vielen Typischen "Reiskantinen" bei denen es im grunde nur 3 Grund - Gerichte in verschiedenen Variationen Gibt: Reis, Japati, Parota und verschiedenste Saucen je nach Haus unterschiedlich Lecker und scharf. Nun hat man bestellt und geniest den Moment da bekommt man schon seine Portion auf den Tisch. Währenddessen spachtelt der Tischnachbar seine Portion Reis mit den Fingern in sich hinein,geht und der nächste kommt schon. So geht das die ganze Zeit und während man sein essen begutachtet und geniest kann es schon vorkommen das die Tischgenossen 5 mal wechseln. Die Küche Produziert ständig Essen nach und die kleinsten Kaninen kommen auf einen unglaublichen durchlauf.

Hot Spicy - Chilly!

Das essen hier ist im allgemeinen recht scharf. Gelegendlich besucht man ein Restaurant in dem sich der Koch dem Westler erbarmt und extra mild kocht. Die Regel ist dennoch das das vom Grundprinzip sehr frische und aromatische essen nach meinem Geschmack überwürzt ist. Da ich bei zuviel schärfe immer einen Schluckauf bekomme, können mich die Inder allzu oft hickend mit schweißperlen auf der Stirn und einer Träne im Auge im Raustaurant bewundern...
Der Oft gereichte Zwiebelsalat schmeckt dann auch nichtmehr scharf sondern nurnoch süss.
Neben der Gewohnheit hat das den Grund das scharfes essen antibakteriell wirkt und durch Schwitzen das Körpersystem gekühlt wird. Ausserdem gibt es hier soviel Chilly irgendwo muss der ja hin...

Dienstag, 15. Februar 2011

Armut und Bettler

Auch wenn die Armut Indiens - zumindest auf dieser Reiseroute nicht so extrem wirkt wie ich erwartete ist diese weiterhin ein vorrangiges Thema.

Allmosen sind auch keine wirkliche Hilfe. Und es kann langfristig auch keinen Sinn machen das Kinder von der Schule fern bleiben nur weil sie mit betteln mehr Geld für die Familie einbringen. Indien ist eine aufstrebende Wirtschaftsmacht mit derzeit 12% Wachstum - Und wenn auch viel davon bei den Multinationalen Großkonzernen hängen bleibt ist eine wachsende Kaufkraft an vielen Stellen sichtbar. Begünstigt in dem Tiefverwurzelten Paradigma der Kastengesllschaft gibt es hier eine sehr scharfe Schere zwischen Wachsender, wohlhabender Mittelschicht und bitterarmer Unterschicht die unglaublich deterministisch ihr Schicksal als Gottgegeben hin nimt. Wer also aus Mitgefühl etwas Geld spenden möchte, sollte dies Lieber den Alten und Behinderten armen, ohne Perspektive, geben. Auf jedenfalls sollte sich jeder Tourist bewusst werden das sich Mahatma Gandhi sicher im Grabe umdrehen würde wenn die Inder ohne uns Touristen nicht zurecht kommen würden...



Oft sieht man am Straßenrand oder gern auch auf den Bahnhöfen Bettler mit herzerweichenden Tränen in den Augen. Wenn man genau hinschaut haben sie immer eine frisch aufgeschnittene Zwiebel in der Hand. Dadurch sie betteln zu ihrer Profession gemacht haben, haben sie auch ein bemerkenswertes schauspielerisches Talent entwickelt. Bitte Versteht meine Meinung nicht als herablassend sondern einfach als eine nüchterne Betrachtung eines nun auch nicht gerade reichen Travellers.
Im Bangalorer Cubbon Park sprach mich ein jugendliches Mädel an und meinte: " Du zahlst jetzt 10 Rupee!" auf meine Frage warum und wofür meinte sie sehr aggressiv: "du zahlst jetzt Bakschisch!". Dies habe ich mit einem klaren No! I don't know why beantwortet und weitergelesen. So nun auch wieder nicht….