Mittwoch 18.Feb. 2026
Heute, trifft sich unsere 9-köpfige Gästegruppe in Rio Branco, einer Regionalstadt in der Region Acre im westlichen Brasilien, Nähe des Dreiländerecks von Peru, Bolivien und Brasilien. Wir haben uns für ein zeremonielles Geburtstagsretreat von Isaka Bari, einem Stammesoberhaupt der Huni Kuin, dem Ni Heshe BANAI angemeldet. Es liegen bereits 2 Reisetage von Medellin hinter uns.
Das Frühstücksbuffet im Hotel "Terra Verde" ist reich gedeckt mit viel Weizengebäck und Ungesundem, wir finden allerdings auch etwas Obst. An den Wänden hängen historische Bilder aus den 60er/70er Jahren von Indigenen und historischen VW-Fahrzeugen, die über provisorische Holzstamm-brücken fahren. Die kurze Begrüßung ist schnell abgeschlossen, die Hälfte unserer Reisegruppe ist deutschsprachig, bei den anderen geht es ordentlich portugiesisch zu.
Unser Minibus ist komfortabel und bringt uns über gelegentliche Schlaglöcher die erste Etappe zügig vorbei an endlosen Weideflächen, die saftig grün in der Sonne stehen. Die weißen Punkte sind Rinder, die viel Platz und auf den grünen, immersatten Wiesen gut Futter finden. Die Erde ist rötlich-braun und wirkt fruchtbar, vereinzelt sind Bäume und kleinere, per Hand bewirtschaftete Maisfarmen zu sehen. Verglichen mit den ostdeutschen oder gar US-Agrarwüsten scheint die Landwirtschaft hier gesund, kleinteilig und der Verzehr von Rindfleisch weniger mit schlechtem Gewissen behaftet.
Ich schaue mir auf Google Maps die Landwirtschaft an und mir wird schwindelig. All das Land, all die Fläche, die uns seit 2 Tagen Fahrt entlang der Straßen begleiten, waren mal Regenwald. Es ist wie in einem Computerspiel klar zu erkennen, wie sich die industrielle Landnahme entlang der Straßen in den Amazonas frässt. Ich werde still und andächtig.
Wir sollten nicht hier sein. Nichts von diesen Betonhäusern, Konsumtempeln, Farmen, Strommasten sollte hier in der Lunge der Erde sein. Vor allem nicht ich. Was mache ich hier eigentlich?
Der Bus hält und weckt mich aus meinen Gedanken – Mittagessen – es gibt tatsächlich etwas Gemüse zwischen all dem Fleisch und Reis am Buffet – wir sind begeistert. Der zweite Teil der Busfahrt, die 200 km bis Tarauacá, entpuppt sich als Rollercoaster um immer mehr und intensivere Schlaglöcher. Teilweise erreichen wir nur 30 km die Stunde. Es lässt mich der Eindruck nicht los, dass die Straßen gebaut wurden, um das Holz abzuladen, und nun die Straßen vernachlässigt werden. Die schweren Lkw und Benzintanker kämpfen sich Meter um Meter voran, bringen all die nötigen Zivilisationsdinge in die abgelegenen Städte und Siedlungen und sicher so einiges Rindfleisch zurück.
Rump's! Nächstes Schlagloch – arme Stoßdämpfer, aua Kopf! Während ich mir meine Beule streichele, denke ich mir etwas hinterhältig: "Eigentlich gar nicht so schlecht diese üblen Straßen, da geht zumindest die Abholzung vom Tropenholz etwas mühseliger vonstatten..."
Verliebt habe ich mich sofort in diesen klaren, sauberen, himmelblauen ... Himmel. Diese kleinteiligen Schäfchenwolken versprechen fruchtbaren Regen am Nachmittag. Sie erinnern mich an den Himmel, den ich noch aus Kinderzeiten in Deutschland kenne. Und dieses saubere Blau – während ich versuche, meinen inneren Farbfilter anzupassen, um diese Schönheit aufnehmen zu können, platzt mir fast das dritte Auge.
Wir kommen in Tarauacá an. Wir werden von Isaka im Hotel begrüsst und gehen Essen, gleich nebenan im Zentrum von Tarauacá. Ein kleines Städtchen tief im vereinnahmten Amazonasgebiet. Die Menschen hier sehen etwas gesünder aus und wirken etwas fitter als in den südamerikanischen Großstädten. Das mag unserer Meinung nach wohl auch daran liegen, dass die toxischen Zivilisationseinflüsse hier langsamer und schwerer verfügbar sind.
Ich werde eines besseren belehrt und ich falle am Abend in einen reflektierten, aber dennoch toxisch-überheblichen Motz-Modus:
"Überall nur schlechtes Fast Food, Chinaplastik, schimmelnde Betonhäuser und Trash-Media. Und dafür wurde so etwas Schönes und Wertvolles wie der Amazonas abgeholzt, die Indigenen vertrieben! Für was? Für was? Für diesen Zivilisationsmüll?"
Ungläubig und traurig reflektiere ich meine deutsche Überheblichkeit auf "hohem Ross". All das ist in Europa vor einiger Zeit auch passiert, die Abholzung der Urwälder, die Vertreibung der Urvölker, das Vergessen der Pflanzenmedizinen. Soll ich hier höflich als Gast akzeptieren, dass dies nun auch hier geschieht? Oder darf ich aus unserer traurigen Geschichte mahnend erinnern? Darf ich Brasilien respektvoll kritisieren, im Bewusstsein, dass wir auf einer runden Erde leben?
Isaka versucht einen lustigen Spruch: "na das ist hier doch wie bei euch in Deutschland, oder? Keiner weiss was er isst, oder was im Essen drin ist". Ich versuche höflich zu lächeln aber mir ist authentischer Humor gerade wirklich nicht möglich, dafür bin ich zu traurig, sind die angesprochenen Zustände einfach zu Extrem.
Traurig ob der Zustände lege ich, wieder etwas bescheidener, meine Gabel im Restaurant zur Seite. Den lieblos zusammengeklatschten, in schlechtem Öl ertränkten Salat kann ich meinem Körper nicht weiter antun. Morgen geht's zu den Huni Kuin, die haben hoffentlich echtes Essen...
Donnerstag 19. Feb. 2026
Der Morgen des 19. Februar beginnt mit dem Wort "Weltkrieg" in meinem Kopf. Die Amis bereiten wohl einen Großangriff auf den Iran vor. Wah! Schnell raus aus dem Internet. Ich will diese Geister nicht mit zu den Indigenen nehmen, wir bringen schon genug fragwürdige Einflüsse mit. Stattdessen ärgere ich mich im Kleinen gar nicht erst über das furchtbare Weizenfrühstück und bringe einfach rotzfrech einen Berg Obst und aufgeschnittenes Gemüse an den Hotel-Frühstückstisch für alle mit – Notwehr! Bätsch!
Die Gruppe geht noch ein paar Erledigungen nach. Den südamerikanischen Regen könnt ihr euch in etwa so vorstellen wie die 3 bis 5 mega-intensiven Regenminuten bei einem deutschen Sommergewitter – eine halbe bis zu einer Stunde! Regencapes = sinnvoll. Eine Rolle Mülltüten für Gepäck und den Notfall. Eine sinnvolle Trommel für meine Percussion-Begleitung zu den Zeremonien habe ich auf dem ganzen Weg nicht finden können. So muss ein Topf für 30 € herhalten. Der klingt in den Höhen und Mitten ganz gängig. Und kann danach vom Stamm gut in der Küche gebraucht werden.
An auf die Boote. Was für ein Spaß! Bei bestem Sonnenwetter, begleitet von himmelblauen Schäfchenwolken, geht es den Tarauacá River flussaufwärts. Das Boot, 12 m lang und 1 m breit, ist mit einem stabilen Sonnen- und Regendach ausgestattet und wird mit einem richtig lauten Motor angetrieben. Gerade heilige ich jeden Cent, den ich in diese furchtbar teuren Noise-Canceling-Ohrstöpsel investiert habe. Der Motor ist so laut, dass man selbst mit normalem Ohropax Schmerzen bekommt...
Ansonsten ist die Fahrt zu Beginn die reinste Wonne. Es erinnert mich an die wertvollen Zeiten des Wasserwanderns. Der Fluss ist in etwa so breit wie die mitteldeutsche Elbe bei Niedrigwasser, das Wasser lehmbraun. Es macht einen vertrauenswürdigen Eindruck, als könnte man darin baden gehen. Ich beschließe, die 6 Stunden Fahrzeit zum Schreiben dieses Reiseberichtes zu nutzen.
Der Fahrtwind kühlt angenehm meine sich langsam beruhigende Seele – endlich in der Natur. Langsam verschwinden immer mehr die Farmen und Landwirtschaftsflächen, und hier und dort ist vom Boot aus echter Amazonas-Urwald zu vermuten.
Aber was mache ich hier eigentlich? Was treibt mich hierher? Zugegeben, ich habe schon immer einmal, wie einige von euch auch, geträumt, den Amazonas zu erkunden. Tiefer liegend geht es mir um Heilung und die Naturmedizinen. Vor etwa 5 Jahren habe ich das erste Mal Ayahuasca bei einem ausgezeichnet guten Heilerpaar trinken dürfen. Bei diesen ehrenwerten Heilern habe ich bereits ungefähr 40 Mal getrunken und viele tiefe Verletzungen, Traumata und toxische Verhaltensweisen heilen und ablegen können. Auch bin ich, unter anderem, durch die beiden auf meinen Lebensweg dem Kakao und zu meiner geliebten Tochter gekommen. Kurzum, Ayahuasca und Naturmedizinen sind sehr wichtig auf meinem Weg, und ich habe ihnen unglaubliches zu verdanken.
Vorab: um einer guten Ayahuasca-Zeremonie beizuwohnen, muss man nicht unbedingt in den Amazonas oder nach Südamerika fliegen. Es gibt auch in Europa immer öfter gute, ernstzunehmende Gäste, die dem Ruf folgen, uns wahrhaftig zu helfen. Wer ernsthaftes Interesse hat, kann gern Kontakt mit mir aufnehmen, ich würde dann anhand der Bedarfstiefe schauen, wer und wann zu empfehlen wäre, und vermitteln.
Nun bin ich seit kurzer Zeit in der glücklichen Lage, in einem befreundeten Projekt Sanò kennengelernt zu haben. Martin ist mit Indigenen der Amazonas-Region, die Medizin und Heilarbeit anbieten, gut vernetzt. Und so habe ich letzten Herbst Isaka kennengelernt. Anfänglich war ich sehr von seinem übergroßen Kopfschmuck irritiert, und ich befürchtete einen aufgesetzten Kommerz-Scharlatan. Im ganzen Vertrauen an Sanò und die Freunde in der Weltenschmiede konnte ich mir aber sicher sein, dass Isaka ein respektabler Medizinmensch mit Tiefgang ist. Wir wurden in keinster Weise enttäuscht...
Leider habe ich seit 2022 mit Atemnot zu kämpfen – welche als Asthma diagnostiziert wurde. Der Alltag in Deutschland ist für mich ohne Cortisolspray nicht zu bewältigen. Die Schulmedizin hat keine Antworten, und sämtliche Versuche, selbstsändig von dem Spray loszukommen, verursachten mehrfache Hustenattacken bis zur Ohnmacht, einhergehend mit starken Kopfschmerzen durch den Druck. Vielerlei Versuche mit alternativen Ansätzen ließen mich eher verwirrt als geheilt zurück. Aber eines habe ich immer wieder feststellen können: ganz wenig und bewusst essen und in Zeremonien mit Ayahuasca/Yahe konnte ich immer tiefer und vertrauter durchatmen.
Auch habe ich von einer vertrauten Heilerin gehört, welche früher auch an Asthma litt, dass eine Monatskur mit Medizinen im Dschungel helfen kann. Somit musste ich immer wieder auf den Verdacht stoßen, dass dieses "Asthma" meine Schamanenkrankheit ist.
Nun kommen wir mit dem Boot am Anleger der Dörfer an und werden herzlich von immer mehr herzlich offenen, bunt geschmückten Huni Kuin begrüßt. In einer nah gelegenen Hütte können wir uns orientieren, bis der Regen vorbei ist. Hände von vielen verschiedenen Menschen werden geschüttelt, während wir noch voll im "Deutschmodus" versuchen, unsere Dinge und Gepäck zusammenzuhalten. Doch unser Reisegepäck befindet sich schon auf Ochsenschlitten ohne Räder. Von hochmotivierten jungen Männern wird es "irgendwo hoch in unsere Unterkunft" gebracht. Große Kinderaugen beobachten uns grinsend, ich bekomme eine Rassel in die Hand gedrückt, und es wird erstmal musiziert. Eine Gruppe Heranwachsender Jungen spielen mit einer in diesem Alter kaum bekannten Motivation Lieder auf Gitarren, viele kenne ich sogar schon. Eine durchaus sehr milde, schmackhafte Naturzigarette geht von einem durchaus sympathischen Herren neben mir durch die ca. 30 Menschen große Gruppe, später verstehe ich, dass dies bereits einer der ersten Schamanen (Pajehs) ist, welcher mir später noch ordentlich "die Rübe durchpustet"...
Nach etwa einer Stunde, der Regen vorüber, machen wir uns auf den Weg. In der Annahme, dass unsere Herberge gleich oben auf dem nächsten Hügel ist, bekomme ich berichtet, dass es hier 4 Dörfer gibt. Der matschige Weg zieht sich, und ich komme aus dem Staunen nicht heraus, wie viele Häuser in dem Gebiet verteilt sind. Es wirkt fast eher wie eine Kleinstadt mit Hütten, die großzügigen Abstand zueinander genießen. Die ersten Schönheiten verdrehen mir auf dem Weg etwas den Kopf: "bloß nichts anmerken lassen, durchatmen". Die übliche Nervosität überlassen wir ja nicht zuletzt aus tiefstem Respekt den Huni Kuin-Jungen und -Männern, nicht wahr?
Auf dem endlos erscheinenden Weg durchqueren wir eine Hütte, die wie ein Schul- und Versammlungsgebäude wirkt. Die Tafel ignoriere ich beflissentlich, aber auf dem Stundenplan springt mich in der Mitte sofort "Ayahuasca" an – ich impliziere: der Umgang und die kulturelle Pflege der Pflanzenmedizinen steht hier ganz klar, ob praktisch wie theoretisch, im Mittelpunkt.
Wir kommen auf einem großen Dorfplatz an, eine Feuerstelle in der Mitte, es ist im Grunde so, wie ich es von einem Rainbow oder unseren eigenen organisierten Gatherings kenne. In der zentralen Gemeinschaftshütte bekommen wir einen Maniok-Snack und erfahren: Oh je! – es wird gleich heute zum ersten Mal getrunken! Überraschung!
Dann dürfen wir endlich in die sehr neu wirkende Gästehütte. Vorbei an recht neu wirkenden Solarstationen mit 2 Modulen und scheinbar auch Akkus und Wechselrichtern, mit denen die Hütten dezentral mit Strom versorgt werden – SUPERGEIL!
In der Gästehütte ist es eng, und nachdem wir unsere Schlafplätze unter uns 9 Gästen verteilt haben, geht's um die Reihenfolge, wer zuerst duschen darf. Eine einfache "Bucketshower", das Wasser fließt direkt durch die Holzbohlen der Ständerhütte – genial einfach und praktikabel. Unsere Schlafplätze, 3x1 m, sind eine Hängematte mit darüber aufgehängtem Moskitonetz. Ich habe wirklich schwer damit zu tun, mein Reisegepäck zu organisieren, darf mich aber glücklicherweise an meine gute Kindheit und die Erfahrungen bei den Bergfreunden und Wanderhütten erinnern.
Nun haben wir ein wenig Ruhe verdient. Ich schlafe die Stunde so harmonisch und geborgen wie lange nicht mehr – ich fühle, dies ist ein wahrlich reiner, liebevoller und guter Ort auf allen Ebenen.
Die Zeremonie wird draußen um das Feuer vorbereitet in einem großen Kreis um das Feuer. Der Kreis ist riesig und fasst sicher 300 bis 400 Menschen, wenn Bedarf ist. Heute sind es etwa 100, entsprechend groß ist der Abstand der Grüppchen, welche sich in freier Platzwahl bilden. Eine Glühbirne im kaltweißen Licht blendet uns ungemein, und wir sind sehr erleichtert, als Isaka das Abdunkeln dieser schmerzvollen Lichtquelle erlaubt. Nun sitzen wir im Schein des Feuers, alles gut. Nach kurzer Einweisung wird die Medizin ausgeteilt, die Gästegruppe, also wir, werden zuerst aufgerufen, gefolgt von den Pajes und Schamanen. Die Medizin schmeckt wässrig, hölzern und so gar nicht bitter.
Die Gebete beginnen, alle sitzen, meditieren oder singen die Gebete mit. Es beginnt immer mehr zu regnen, und wir ziehen uns in die Gemeinschaftshütte zurück. Nun sind alle angenehm beieinander, nicht zu eng, aber auch nicht mehr so weit entfernt voneinander wie um das Feuer, sodass man sich sehen und spüren kann.
Die Gebete gehen in die nächste Runde, bis Isaka mit Unterstützung die erste Runde Rapé gibt. Während ich mich noch in hoch vibrierender Anbindung mit der Medizin befinde und mich auf meine Atmung und Ausleitung von Toxinen konzentriere, wird es bewegter im Raum. Ein, zwei Kleinkinder quengeln, die Medizin wirkt zunehmend, aber noch recht mild.
Die Künstler bauen sich auf, und nun beginnt der zweite Teil der Nacht, das Fest der Freude und Familie. Das Gitarrenspiel nimmt recht schnell Fahrt auf, sodass ich direkt den Bedarf habe, ein Percussion-Instrument, Beine, Trommel oder Rassel zu greifen. Leider konnte ich mir vorab nur einen dafür Topf organisieren. Irgendetwas zwischen Scheu oder Bequemlichkeit lässt mich dann doch einfach wieder meine Knie als Percussion-"Instrument" verwenden, und es geht ab! Der halbe Saal ist am Tanzen und authentisch Feiern – echte Freude. "Viva Alegria", "Viva Medicina!","Viva Pacha Mamma!" ...
Ich begebe mich nach 5 Minuten "Befangenheitsgetue" einfach in das Getümmel. Aber hier tanzt nicht jeder mit sich oder nur einem Partner. Hier sind alle irgendwie verbunden, ich erkenne eine Spirale, welche sich von innen nach außen immer schneller bewegt. Außen angeführt von den erzengelhaft wirkenden Stammesführerinnen, der Frauengruppe, welche halb delierisch beschwingt und wiederum ernsthaft, fast streng, gut geerdet in tangoartigem Tempo eine Horde Frauen und Mädchen hinter sich herziehen. Zur Mitte geht es mehr stoisch langsamer, männlich zu.
Ich stimme dem Chorgesang der Künstler neben dem Altar immer mehr ein, sobald ich Luft dazu finde bzw. wenn mein vor Erstaunen geöffneter Mund mal nicht wieder in einem fetten Lachen der herzlichen Freude oder tiefem Juchzen die Möglichkeit lässt. Begleitet zu den wunderschönen Keidern und dem Federnschmuck die Gefühlt durch den ganzen Raum wedeln. Oben und Unten sind nur bürgerliche Kategorien...
Begleitet wird die Musik immer wieder von cheerleaderartigem Frauenjubeln, bei dem sich jedes Männerherz einfach nur in Windeseile öffnen mag. Gefolgt von tiefem Männergrunzbrüllen, welches gelegentlich an Affengeräusche erinnert und von mir immer wieder in humorvoll, dankbarer Natürlichkeit aufgenommen wird und zum Mitmachen nicht einladender sein könnte.
Freitag 20. Feb. 2026
Es wird zum zweiten Becher Trinken geladen. Wir relativ vorn dabei, jetzt kann es richtig losgehen. Meine Reisebegleiter sind müde, haben Kopfschmerzen, und es ist dann doch ein wenig zu viel, direkt trinken nach der langen Anreise, und das zum ersten Mal! Ich merke: hier ist es dann doch ganz schön advanced für das erste Mal Trinken. Nachdem ich beide wohlbehalten zu den Hängematten begleitet habe, gehe ich zurück in die Zeremoniehütte. Ich hatte den ganzen Abend einen Schamanen mit mittelgroßem Federschmuck beobachtet, bei dem besonders die Indigenen für das Rapè anstehen wie bei uns die Bürger am Samstag beim "echte Handwerksbrötchen-Bäcker".
Ich wage mich endlich in die Reihe, und als er mich etwas ernsthaft in einer mir durchweg unverständlichen Sprache fragt, kann ich nur schulterzuckend auf meine Ohren zeigen und negieren. Ich zeige von meinem Herz auf ihn, um ihm zu vermitteln, dass ich ihm vertraue.
Das Rapè ist in der Nase ist eher leicht, fast ätherisch und beißt kaum, aber es dreht mich leicht weg, und während ich auf meinen Sitzplatz zum Meditieren zurückkehren will, merke ich, dass mein Magen ganz andere Pläne hat. Gerade schaffe ich es aus der Zeremoniehütte für den ersten Schwall der inneren Reinigung. Dann noch 2 Schritte weiter von der Hütte weg.
Ja, ich würde es als Kotzen bezeichnen. Mental, geistig geht es mir richtig gut, ich kenne und feiere solche Reinigungen sehr, sind sie doch ein Hauptgrund, weshalb ich hier bin. Ich bin in einem hochfrequenten Zustand mit Ayahuasca und Rapé, während in der Hütte ein unglaubliches Fest der Freude und Liebe mit unbeschreiblichem Gesang erklingt. Dabei sitze ich im Matsch und kotze mir die maroden, toxischen Anteile meiner Geisteswelten aus dem Leib. Um direkt nach den Kotzanfällen wie ein Buddha-Jesus-Baby in tiefster Dankbarkeit die Möglichkeit dieses Erlebnisses zu feiern. Ich versuche, etwas respektvollen Abstand zur Hütte zu finden, und mache mich auf dem Weg zum Feuer, schaffe 3 Schritte und lasse mich wieder zu Boden sinken.
Ein Bruder der deutschen Partizipanten berührt mich ungefragt, hilfsanbiedernd kurz an der Schulter, doch das war zu viel! Nun geht es an tiefer liegende Schichten, und ich röhre wie ein Hirsch. Diese Art von Kotzen hat einen Tiefgang, wie man ihn von einem ordentlichen Alkoholrausch kaum kennen kann, als würde man Dinge aus den Ahnen-Wurzeln in tiefster Erde reinigend zu Tage bringen. Isaka steht mit seinem riesigen Federschmuck kurz hinter mir, reinigt und stabilisiert mir unterstützend mit Gebeten und Techniken das System. DANKE! Ich meine: OBRIGADO!
Sobald ich mich wieder besinnt habe, mache ich mich zurück in die Zeremoniehütte zur Tanzspirale. Nun bin ich richtig frei und im Vertrauen, mit Selbstvertrauen, in andächtiger Bescheidenheit, ich lasse fließen. Die Medizin wirkt nun richtig, ich kann mich der kollektiven Ekstase voll und ganz hingeben und kann dennoch gut Kontrolle über meinen, hier, überdurchschnittlich großen und kräftigen Körper halten. Alle halten sich mit Vorder- und Hintermann an Armen oder Schultern, der Fluss ist mal reißend schnell bis gemächlich gestaut. Ich schwitze durch Medizinen und Tanz. Angeführt wird das Ganze in einer erstaunlichen Ausdauer nach wie vor von den erzengelhaften Schönheiten in einer respektvollen Würde, nach der sich das Grundgesetz nur die Finger nach lecken kann.
Eine halbe Stunde und gefühlten 1000-und-einem "Lachen der tiefen Freude" später baut sich das Feld langsam ab, ich komme zum Sitzen und lecke andächtig Ambil, um mich wieder mit Opa Tabak zu verbinden, während ich die Dynamiken im Raum, aber auch in mir studiere. Es dämmert langsam. Plötzlich delegiert Stammesoberhaupt Isaka alle mit einer lustig tanzenden Bolognese wieder raus ans Feuer, denn der Regen ist schon lange vergessen und der Amazonashimmel schimmert vanille-rosa hinter sonnenlüsternen Schäfchenwolken.
Und nun verstehe ich: das ist genau das, was ich seit Jahren versucht habe zu kreieren. Ein lustig bunter Stamm voll unschuldiger Freude aus ganzem Herzen tanzt Hand in Hand zu Jubelgetöse um das Feuer. Es gibt immer wieder abwechslungsreiche Choreographien in diesem Kreistanz, es ist so natürlich, dass es keine Frage mehr gibt: Kopf aus und tiefe Lebensfreude zelebrieren. "Viva Alegria!"
Ich glaube, es gibt Videoaufnahmen davon, die diese Authentizität in meiner herzoffenen Lebensfreude besser bezeugen können als alle Worte dieser Welt.
Die Zeremonie wird nun durch Gebete in Kreisform, die an einen Foodcircle erinnert, abgeschlossen. Gute Güte, sind wir alle schön, ich wage die Augen kaum zu öffnen.
Nachdem wir zum Sitzen gekommen sind, meint Isaka, dass es nun Zeit zum Duschen und Regenerieren sei. Super! Denn die Morning-Moskitos finden mein schweißdurchtränktes Dress richtig sexy. Aber vorher bekommen wir Gäste noch die angebotenen Diäten und Medizinanwendungen von den Pajes und Schamanen erklärt. Gut, da sind nun diese ehrenwerten und durch und durch sympathischen Autoritäten des Stammes für uns da, neben uns die Übersetzerin und Isaka, da kann ich jetzt nicht los und Mückenspray holen. "Nimm es wie ein Mann," sag ich mir, "das ist jetzt der Preis, dass ich hier sein kann und all das erleben"...
Zuerst wird uns die Pfeffertaufe erklärt. Dabei wird reiner Chillisaft unter Gebeten auf die Zunge gestrichen. Dies öffnet das Wort und Stimmbänder für den Geist eines Vogels, der keine eigene Melodie, Codierung, hat und ausschließlich andere Vögel imitiert und nachahmt, und das täuschend echt. Daher haben wir die Möglichkeit, ganz anders und schneller die Möglichkeit, Gebete und Gesänge zu lernen, indem wir sie einladen können, einfach in uns hineinzufließen. Das Ganze muss von einer speziellen Diät begleitet werden. Bei mir heißt das nun eine Woche bis zur Hauptzeremonie am Ende: kein Zucker, kein Salz, kein klares Wasser (ggf. Zitronensaft oder Tee) und keine bewegenden Berührungen (kurzes Händeschütteln und Tanzberührungen wären wohl okay, solang sich dabei keine Resonanzschwingungen aufbauen und austauschen).
Mist! Schon wieder 3 neue Mückenstiche! Aber es ist einfach zu spannend.
Dann bekommen wir Kambo erklärt, aber das ist mir gerade zu viel, und ich entscheide mich heute Vormittag für die Feuertaufe und die Rapé-Diät vom Paje. Während dieser ehrenwerte Mann beginnt, die Rapé-Diät zu erklären, bemerke ich, dass dieser Mensch mich mit seiner fürsorglichen, bescheidenen Art und Weise an meine geliebte Großmutter erinnert. Er strahlt Würde und große Weisheit aus, später erfahre ich, dass er im Grunde der König in diese Gemeine bei den Huni Kuin ist. Er ist der Vater von Isaka und hat die Häuptlingsauthorität vor einer Weile an seinen Sohn abgegeben.
Fatsch! Ich fühle ca. 20 neue und extrem juckende Mückenstiche nur an meinem linken Oberschenkel. Fokus! Konzentration! Chef vorne spricht wichtige Dinge – der Übersetzerin aufmerksam folgen! Ich entscheide mich bei den Diäten für die Pfeffertaufe und Rapé, die Vorschriften ähneln sich.
Endlich geduscht und die gefühlten 40 Mückenstiche behandelt, werde ich nach 1,5 Stunden in meiner Hängematte aus dem Tiefschlaf gewackelt... "Paul, Rapé beginnt jetzt da hinten, los!" Taumelnd schaffe ich es noch, einen Löffel Mambe zu naschen, um halbwegs klar zu kommen und Fokus für den Paje zu halten.
Es stellt sich heraus, dass mir mit dem Asthma geholfen werden kann. Ich fühle mich wirklich richtig gut aufgehoben und gehört, OBRIGADO!
Hinter dem Paje steht eine gigantische Pfanne mit 2 m Durchmesser und 20 cm hohem Rand, welche mich als Koch sehr begeistert. Zu den guten alten Gatheringzeiten hätte ich damit und ordentlich Zunder sicher für 300 Hippies z.B. Nudelpfanne gebrutzelt. Diese wird hier wohl zum Panela kochen genutzt, da währe ich auch gern mal dabei...
Wir prozessieren die Anwendungen, und dann ist Zeit für Ruhe, die ich für Freundes - und Familienkommunikation über die stabile Satelliten-Verbindung nutze. Am Nachmittag gibt es für uns Gäste in der Gemeinschaftshütte einen Markt. Nun kommen wir 9 Gäste in einen Raum, in den das halbe Dorf viele Produkte aufgebaut hat, und man spürt die Hoffnung auf Käufe bei allen. Ein heißes Eisen: bei wem kaufe ich nun die Rassel, welche ich unbedingt zur nächsten Zeremonie brauche? Da ich in meinem Rucksack nun wirklich micht Platz für 3 Rasseln habe, probiere ich mich durch und kaufe die Wohlklingendste. Und natürlich auch noch weitere Dinge, aber das sollen Überraschungen für die Liebsten werden...
Am frühen Abend, noch hell, gibt es noch ein paar Stammesspielchen, denen wir zuschauen konnten. Dabei hatten alle Jungen und männlichen Heranwachsenden einen ca. 25 cm langen Stock. Sitzend in Reihe eng beieinander haben sie diesen, Arme um den Vordermann mit beiden Händen, fest gehalten. Nun war es der Frauengruppe Aufgabe, dieses Bündel Männer, mit aller Kraft vereint, zu trennen und den Männern den Stock zu entreißen. In meiner Wahrnehmung ein sehr interessantes Kräftemessen mit körperlicher Nähe. Ich vermute stark, dass es auch sehr deutlich offenbart, wer an wem Interesse haben könnte. Aber auch den Zusammenhalt in der Männergruppe gut verbildlicht sowie die Kooperation oder Konkurrenz in der Frauengruppe offenbart. Ich werde dieses Spiel ganz sicher mal auf einem Gathering mit euch ausprobieren.
Am Abend gibt es eine Filmvorführung von 2023, als vom Stamm mit dem professionellen Filmteam ein ganzer Zeremonial-Tag verfilmt wurde. Leider ist der Beamer sehr schlecht gewesen. Falls ihr noch einen halbwegs gängigen Beamer im Keller stehen habt, ich nehme diesen gern nächstes Jahr mit. Oder ihr kommt gleich selber mit, das ist sicher die bessere Idee...
Wow! Fuck! Mir ist grade beim Schreiben eine ungelogen 10 cm große Kakerlake um die Ohren geflogen... hmm... ja gut, gute Nacht!
Samstag 21. Feb. 2026
In der Nacht gab es einen unglaublich lauten, tiefen Blitzeinschlag, gefühlt in 20 km Entfernung. Es fühlte sich an wie eine gigantische Bombe, die Holzhütte bebte, und in meinem Bauch fühlte ich die tiefen Schwingungen. Etwa 10 Minuten später setzte recht schnell ein starker Regen ein, welcher sich in ein absolutes Schütten entwickelte. In der neugebauten Holzhütte konnte ich mich sicher fühlen, da das Dachblech neu und dicht ist und die Hütte auf Holzpfählen steht.
Plötzlich hört der Regen auf, als hätte jemand die Dusche ausgestellt. Überall um uns herum hört man es weiter regnen, es fühlt sich an wie im Auge des Orkans. Etwa 5 Minuten später setzt der Regen plötzlich genauso intensiv wieder ein, wie er aufgehört hatte, nun allerdings geht es eine halbe Stunde so weiter. Der Regen Scheppert Phrenbetäubend auf das Blechdach. Es ist ungewohnt hier, man sieht Blitze, aber hört sehr selten Donner.
Am Morgen regnete es noch bis Mittag, sodass die Vorbereitungen für den Beetebau auf Nachmittag verschoben wurden. Am Mittag gab es eine Versammlung in der Gemeinschaftshütte. In der Mitte vom Raum sind 4 neue Schubkarren, 4 Spaten, 10 Macheten, Lochausheber, Rechen und diverse weitere neue Gartengeräte und Werkzeug, welches Isaka in der Stadt gekauft hatte, als er uns abgeholt hatte. Isaka und der Paje sprechen eine Weile auf Huni Kuin. Ich werde in meinem deutschen Arbeitseifer langsam ungeduldig. "Wann nehmen wir denn endlich die Geräte und gehen los, es hieß doch Pflanzeinsatz...?"
Einzelne Dorfbewohner bekommen Geräte überreicht, die anderen Dorfbewohner rufen immer wieder Haux Haux! als Bestätigung. Langsam geht mir ein Licht auf: diese Geräte wurden von dem Geld, das wir Retreat-Teilnehmenden gezahlt hatten, gekauft. Es ist Allmende, Gemeingut. Die Dorfbewohner nehmen es in diesem Bewusstsein in ihre Verwahrung, in ihre Verantwortung. Mit dieser Art und Weise wissen aber auch alle Dorfbewohner transparent, wer welche Geräte hat und wo man sich mal etwas ausleihen könnte. Auf der anderen Seite sind die Nutzer auch mehr in der Pflicht, gut mit den Geräten umzugehen und sie zu pflegen. Das klappt sicher besser als die Kommune-SB-Werkstatt, wie man sie leider aus vielen deutschen Gemeinschaften kennt: wenn die Werkstatt nicht schon ein totales Chaos ist, wird sie es nach wenigen Monaten sein...
Nach weiteren Ansprachen gibt es Mittag und eine Pause. Dann ist wieder Treffen in der Gemeinschaftshütte. Weitere Ansprachen. Es gibt wohl 3 Gruppen. Die Frauengruppe erntet ein Maniok-Beet, was hier definitiv eines der Hauptnahrungsmittel ist. Eine Männergruppe geht mit Kettensäge Holzpfähle "jagen" und transportieren. Die weitere Gruppe jätet ein ca. 8x4 m Beet auf einer wildwuchernden Fläche am Dorfrand mit Macheten. Darauf baut die nächste Gruppe mit dem Paje aus den ca. 15 cm dicken Stämmen ein Grundgerüst für ein Sonnenschutz-Gezelt für das Tomatenbeet.
Das Ganze zu kommunizieren und bis es dann eeeendlich losgeht, dauert eine weitere Stunde. Ich bin froh, dass es losgeht, aber neben dem Filmteam für die hier gerade entstehende Dokumentation sind hier so viele motivierte Helfer der Männergruppe, die natürlich auch hochmotiviert die neuen Geräte ausprobieren wollen, dass ich ganz schön zu tun habe, etwas von der Arbeit abzubekommen. Ich merke, wie mein ganzer Körper, mein System endlich loslegen will, doch als wir die ersten beiden Schubkarren mit Humus gefüllt haben, gibt es erstmal eine Kiffpause – meine persönliche Hölle!
Auch wenn das Gras "Tschuru" hier sehr mild und natürlich ist, komme ich nach wie vor gar nicht gut auf Gras klar und ziehe wenn, dann meist nur einen homöopathischen Minni-Anstandszug, um wenigstens etwas in Verbindung zu kommen. Am Ende finde ich dann beim Holztragen etwas Auslastung. Die Männergruppe geht, wie sie gekommen ist, zurück zum Dorf in einer Reihe mit den üblichen Männer-Rufen.
Am Abend wird zu einer weiteren Zeremonie gerufen. Eine Danksagung für die Pflanzen, wir trinken nicht, aber es wird viel Gras geraucht, ich enthalte mich und bleibe bei meiner Rapé-Diät. Zur späteren Stunde wird der Tanz wieder sehr ekstatisch, ich komme total durchgeschwitzt aus der Gemeinschaftshütte.
Sonntag 22. Feb. 2026
Heute geht es um 9 in den Dschungel, eine kleine Wanderung mit dem Ziel eines heiligen Wächterbaumes. Dort verweilen wir, es wird ein kleines Feuer entzündet und noch mehr "Tschuru Zigaretten". Es gibt rote Augentropfen als Medizin, später Sananga für alle die möchten – na da bin ich doch sofort vorn dabei!
Die Indigenen beginnen aus Palmblättern Körbe zu flechten, in die sie Erde geben. Sie werden zum Transportieren von speziellen Pflanzen verwendet, die später im Sinne der Wiederaufforstung gepflanzt werden. Das Kamerateam ist mega engagiert und mit 2 guten Kameras am Start, es werden sicher richtig gute Aufnahmen und Einstellungen, ich bin gespannt auf das Endergebnis, während ich die Pflanze wie ein Baby den unwegsamen Dschungelweg zurück ins Dorf trage.
Ich hatte gestern von mehreren erzählt bekommen, dass bei den Huni Kuin im Dorf Kakao wächst. Sie haben aber keine Ahnung, wie sie diesen verwenden sollen. Sie lutschen wohl nur das Fruchtfleisch ab und spucken die Bohnen ungenutzt weg. Ich bekomme erklärt, dass sie großes Interesse haben zu lernen, wie sie Kakao richtig weiterverarbeiten können. Ich liege mit langem Atem in meiner Hängematte und durchlebe einen tiefen Brainstorm... Es ist alles da, wie vom großen Schicksal vorkonfiguriert. Mit meinem in den letzten 4 Jahren erlernten Kakaowissen und noch älteren Lebensmanifestationen kann ich den Weg, der vor uns liegt, liegen könnte, kaum glauben. Ich habe die Möglichkeit, einer indigenen Gemeinschaft beim integralen Aufbau eines permakulturellen, spirituell angebundenen Kakaoanbaus auf die Sprünge zu helfen. Für den Kakao, den sie in mittelfristiger Zukunft nicht selber brauchen, gäbe es sogar schon den perfekten Käufer...
Mittwoch 25. Feb. 2026
Heute sind wir den Fluss mit 2 Booten ca. 90 Minuten flussaufwärts zu einem anderen Dorf der Huni Kuin gefahren. Zwei Boote, eines für uns Gäste und das Filmteam und eines vollgestopft mit weiteren Dorfbewohnern. Dieses Dorf ist als Aqua Viva bekannt und um einiges älter als dieses, in dem wir leben. Alles ist entwickelter. Mir fällt gleich auf, dass es sehr viel mehr Obstbäume als "bei uns" gibt. Diese hängen alle voller Früchte, die teilweise ungenutzt auf dem Boden verderben. Neben den von mir sehr geschätzten Guaven besonders die "Theobroma Grandiflorum" hier als Cupuaçu bekannt. Mit ihren riesigen Früchten. Diese können einfach geöffnet werden und haben um die lakritzschneckengroßen Kerne ein säuerlich, sehr delikates Fruchtfleisch. Die Kerne werden einfach ausgespuckt und verrotten ungenutzt. Ich habe dann einen Kern geöffnet und fand die klassische Kakaostruktur und ein unglaublich gutes Aroma. Ich muss dem weiterführend umgehend nachgehen, da ich befürchte, dass die Huni Kuin sich mit dem Wegwerfen der Kerne einer der wertvollsten Lebensmittel und Verkaufspotential verwehren.
Ich torkel, seit 3 Tagen fastend und auf Rapé-Diät, mit der Gruppe zum Dorfplatz. Unter einem schönen Baum finden wir Sitz und Schatten. Isaka baut wieder in unüberschaubarer Menge in atemberaubender Geschwindigkeit "Tschuru Zigaretten", und es geht einem nach dem anderen die Runde. Ich werde wiederholt skeptisch beobachtet, als ich diese höflich weiterreichen, ohne daran zu ziehen... Ach, wenn er doch nur meine Geschichte mit diesem Kraut verstehen würde... Ich widme mich "meinem Mittags-Rapé", wie es in der Diät angewiesen ist. Ich fühle mich flau, es fällt mir schwer, mich auf dem Holzbalken zu halten.
Nun geht es endlich in eine perspektivische Runde zum Austausch. Es wird wiederholt geäußert, dass sie Hilfe brauchen. Das Dorf Aqua Viva ist älter und hat wohl gewisse öffentliche Förderungen bereits vor etlichen Jahren für die Dorfentwicklung erhalten. Die Häuser sind schon alt. Auch erfahren wir, dass am Schulgebäude Schäden sind. Natürlich hätte das Dorf sich auch gern so schöne neue und große Häuser und Brauchwasserleitungen wie im neuen Dorf von Isaka ...
Dann geht die Runde an uns Gäste. Das erste Mal, dass uns in großer Runde "das Wort" gegeben wird. Es wird gleich auf die Müllproblematik eingegangen. Die Huni Kuin sind sehr begierig auf Konsumprodukte aus "unserer Gesellschaft". Wir wiederum haben Bedenken, dass zu viel "Müll" aus der Gesellschaft im noch halbwegs reinen Amazonas, in den Köpfen, Herzen, Seelen und Mägen der Indigenen landen. Ich mache dies mit den mir besten Worten deutlich, die Übersetzerin tut einen guten Job, auch wenn ich besser 2, 3 Pausen zum Zwischen-übersetzen hätte einlegen sollen.
Mir ist es wichtig zu vermitteln, dass wir zum Beispiel mehr Motivation hätten, bei der Finanzierung von einem offensichtlich dringend benötigten eigenen Boot zu helfen, wenn wir nicht Skrupel hätten, dass sich viel Müll anhäuft. So sehen wir es als essentiell an, dass jedes Mal, wenn das Boot den weiten Weg in die Stadt angeht, dorthin auch wieder der Müll gebracht wird. Mit Plastikmüll passiert das wohl schon. Aber was ist mit dem alten, verrottenden Generator, der da unter der Guave stand? Was ist mit den, alten Herden, Plastikteilen, den alten Koffern, welche wir woanders mitten in der Natur des Dschungels gesehen haben? Und so weiter. Die Befürchtung, dass dies mit wachsendem Wohlstand und Zugang zur Babylon-Gesellschaft auch hier hässliche und furchtbare Ausmaße wie überall auf der Erde annimmt, sind nicht von der Hand zu weisen. Und versuchen an die Vorbildrolle zu appelieren.
Aber wir verstehen auch: in der Stadt gibt es keinen Wertstoffhof wie bei uns, nein, es gibt nicht mal einen kommerziellen Entsorger in der Stadt. Die alte Waschmaschine, die 2 toten Solarzellen müssten die Huni Kuin, nachdem sie 3 Stunden mit dem Boot in die Stadt zurückgefahren werden, dieses Altgerät einfach dort an die Straße stellen, oder so. Verständlicherweise hat kein Logistiker Lust, solchen Müll über die anfangs beschriebenen Straßen 500 km oder mehr zu transportieren. Da lohnt sich nur das Hinbringen und der Verkauf der Waren. Großpolitisch sehe ich für Brasilien nur eine Rücknahmepflicht für Industrie und Händler. Den Huni Kuin kann ich in dem Moment erstmal nur zu Bewusstsein rufen, dass das Sammeln von diesem Müll wenigstens an einer Stelle, am besten in der Nähe vom Bootsanleger, weitaus besser wäre, als es überall verteilt liegen zu lassen.
In der nächsten Runde muss ich den Mediengebrauch, besonders der Kinder, ansprechen. Ich berichte, dass es in Deutschland, glücklicherweise, bald ein Social-Media-Verbot für Kinder bis 14 Jahren geben wird. Ich erkläre, wie vor allem diese &#%*?#@ Kurzvideos das Gehirn, Herzen und vor allem die Aufmerksamkeitsfähigkeit grillen. Und dass da weitaus weniger an wertvollen Informationen hängen bleibt als bei "vollen Videos", wo auch tiefer in das Verständnis der Materie eingegangen wird. Die Älteren nicken bedächtig. Es gibt hier nun Satelliteninternet betrieben mit Solar, ich werde nicht müde zu betonen, wie ich das feiere. Die Indigenen können mit uns und untereinander gut kommunizieren, dafür sollte es genutzt werden. Wenn ich aber eine indigene Kindergruppe sehe, wie sie sich den toxischsten Content reinziehen oder dumme bunte Zuckerspiele, hypnotisiert vom Display, stimmt mich das sehr traurig.
Klar ist nach dieser Erklärung die Stimmung eher gedrückt, und ich fühle mich mal wieder als Miesepeter. Die Runde hatte sich wahrscheinlich auf indigener Seite mehr Fokus auf Hilfsangebote erhofft, aber ich bin in einer moralischen Zwickmühle. Auf der einen Seite bin ich der Letzte, der den Huni Kuin nicht mehr Lebensstandard gönnen möchte, so wie wir privilegierten Deutschen ihn genießen können. Auf der anderen Seite sehe ich jetzt hier schon viel Plastik im Dorf rumliegen. Und wie könnte ich es mir verzeihen, wenn materielle Hilfeleistungen aufgrund mangelnden Bewusstseins zu Umweltverschmutzung und Verwahrlosung der indigenen Tradition und Werte führen, wie wir es schon allzu oft erleben mussten...? Ich ziehe mich zurück aus der aktiven Präsenz und höre der Runde weiter zu...
Danach geht es zum festmässig aufgebauten Riesenbuffet für alle Gäste und das ganze Dorf. Es schaut riiiichtig gut aus. Daneben eine Hütte in der die ganze Zeit von 3 bis 4 jungen Herren engagiert Musik gespielt wird. Hier ist auch eine grosse Box mit elektrischer Verstärkung zu sehen, ich bin überrascht. Ich entziehe mich dem Fest Gelage um mein Fasten und die Diät zu schützen, lege mich lieber zu einem "Power-Nap" unter einen ruhigen Baum und lasse das Rapé nachwirken.
Dann geht es eine Runde durch das Dorf Aqua Vida. Es werden uns ausgehobene Fischteiche gezeigt die die Gemeinschaft mit selbst gezüchtetem Fisch versorgen. Wirklich überall hängen die Obstbäume voll vor allen von den von mir besonders geschätzten Gaumen. Wenn meine Diäta vorbei ist würde ich gern eine Weile nur deshalb hier verweilen wollen.
Am Frühen Abend gibt es einen Dorf Bazar, natürlich möchte und auch hier Das Dorf ihre Besten Handwerksstücke anpreisen. Natürlich haben wir kaum Geld mit da uns das so nicht klar war/vermittelt wurde, Nunja, das nächste mal...
Der Rückweg mit dem Boot wird begleitet vom seidig scheinendem Sonnenuntergang. Der Fahrtwind im Sonnenuntergang lässt uns im T-shirt sogar etwas frösteln, ein seltenes Ereignis hier im Amazonas. Als wir ankommen sind wir überrascht wie schnell die flussabwärtige Rückfahrt ging, gefühlt 3 mal so schnell...
Donnerstag 26. Feb. 2026
Isakas Geburtstag beginnt mit einem Hornbläser, der gegen 8Uhr das ganze Dorf sympathisch lästig aus den Betten "bittet". Nachdem ich mir hochmotiviert meine Elektrozahnbürste – ein schöner Spaß, wenn andere denken, dass das Geräusch ein Amazonas-Rieseninsekt ist – aus den Kiemen gezogen habe, geht es in die Medizin-Morgenroutine. Ach ja, und heute ist die Diät beendet. Das heißt, ich darf wieder Salziges, Süßes wie Obst essen und Nummer eins: wieder Wasser trinken. Vorbei am Hauptweg werde ich von der zweiten Kuhhälfte in einer Schubkarre, die zur Küche geschleppt wird, begrüßt. Ich freue mich schon sehr auf das Festmahl heute. So wie die Kühe hier aufwachsen dürfen, habe ich richtig Lust auf Rindfleisch. Es wird für mich das erste Mal nach 3 Tagen Fasten, dass ich so schnell und tief wieder ins Essen einsteige. Normalerweise heißt es nach dem Fasten 2, 3 Tage Gemüse und eher Schonkost. Ich lasse mich auf diesen Selbstversuch ein.
Aber vorher geht es noch zu einem anderen heiligen Wächterbaum. Diese Bäume sind Hüter der Umgebung und riesig. Die Brettwurzeln haben bis zu 5 m tiefe Furchen. Mit bezaubernden Gesängen der Frauengruppe erreichen wir den Ort. Es sind einige Bänke aufgebaut, und man spürt gleich die respekteinflößende Schwingung dieses heiligen Ortes. Wir kommen zum sitzen, und es werden erstmal wieder ordentlich "Tschuru-Joints" gebaut, welche ich nach einmal Ziehen immer dankend ablehnend weiterreiche. Mir reichen die Szenerie und die Gesänge völlig aus, außerdem hatte ich vor nicht zu langer Zeit mein "Mittagsrapé", so wie Diät es vorschreibt, das mich noch gut beschäftigt. Während ich immer öfter auf der Holzbank die Sitzposition wechsle, um die Po-Schmerzen zu verlagern, frage ich mich, ob ich inzwischen wirklich so verweichlicht bin oder schlichtweg älter werde. Der Paje räuchert uns ab. Nach etwa einer halben Stunde legt Isaka Bananenblätter auf den Boden.
Wir legen uns nacheinander darauf und mit dem Kopf auf eine Wurzel des Wächterbaumes. Es wird uns der Saft bestimmter Blätter in die Augen geträufelt, ganz mild sind diese. Zusammen mit den Gebeten verbinde ich mich recht schnell mit Mutter Erde und dem Baum, mein Körper reagiert in tiefer Entspannung. Am liebsten würde ich noch eine ganze Weile so weiter in der Verbindung bleiben. Aber aus Respekt den anderen gegenüber übe ich mich in Bescheidenheit. Nun geht es um das sog. Baptism, ein Name, der mich irgendwie eher unangenehm an eine christliche Sekte erinnert. Es geht darum, dass uns ein Huni Kuin Name gegeben wird, wenn wir wollen doch alle haben Lust darauf. Bei den Männern hat einer der Pajes schon Zettel mit den Namen vorbereitet, spricht die Namen korrekt aus, während wir mit seiner Hand auf dem Kopf ein kurzes Gebet empfangen. Später gibt es auch noch Erklärungen zu den einzelnen Bedeutungen.
Danach können sich auch alle Partizipanten in einem kurzen Statement in die Kamera des Doku-Teams zu Wort melden. Vielleicht bekommen wir das Video bald mal zu sehen, auch wenn die Sichtung der Aufnahmen und der Schnitt sicher sehr viele Bildschirmstunden in Anspruch nehmen wird...
Es geht wieder zurück ins Dorf, ich vertreibe mir die Zeit, dieses Tagebuch weiter zu schreiben, bis mir ein Bruder mitteilt, dass hinter der Küche Rapé zubereitet wird. Die Menge vom Tsunu Rapé, die ich für jemanden mitbringen darf und die ein weiterer Gast hier erwerben möchte, reichte nicht, sodass neues in einem großen Holzmörser gestampft wird. Ich hatte mir das zwar alles etwas mystischer vorgestellt, muss aber auch zugeben, dass das in der Mittagssonne recht anspruchsvoll ist zu stampfen und dabei gute, positive Gedanken und Manifestationen in die Medizin zu geben.
Besonders nicht, wenn (Achtung: akute Triggerwarnung für unsere geliebten vegan/vegetarischen Mitmenschen!) daneben gleich der Grillplatz ist. 3 Feuerstellen werden von jeweils 5 Grillmeistern betreut. Über offenem Feuer dreht sich eine mindestens waschbeckengroße Rinderrippe. Daneben etliche Spieße. Es gibt auch einige Hühner auf Spießen und eine Wildschweinkeule. Es ist irgendwie wie bei Asterix und Obelix: Nach ausgiebigem Gelage gibt der Schamane den Zaubertrank und alle haben ungeahnte Kräfte...
Zumindest kann der Kontrast meines Kraftlevels von der 2. Zeremonie, mitten im Fasten, zur 3. Zeremonie, nach dem Festmal, kaum offensichtlicher sein. Bisher habe ich Ayahuasca nur getrunken mit einer mindestens 5-tägigen Vegankur ohne Weizen und Zuckerklumpatsch... Diesmal habe ich explizit gut, aber nicht zu viel Fleisch nach 3-tägigem Vollfasten gegessen, und es war richtig gut. Richtig gut war natürlich auch der Grill. Wider Erwarten wurden wir bereits am Grill eingeladen, die Messer zu zücken und uns mit unseren Lieblingsstücken zu bedienen. Als ich mir von einem roastbeefartigen Stück, außen feuerknusprig, innen blutig, abschneide, erklärt mir der Grillmeister, dass die Huni Kuin ihr Fleisch richtig durch und fast verbrannt essen. Gut, jedem so, wie es beliebt.
Ich bin so beseelt, wieder essen zu können und zu genießen, dass es mir gar nicht schwer fällt, auf mein natürliches Sättigungsgefühl zu hören und nicht über den Hunger zu essen. Vom Fasten immer noch recht wackelig auf den Beinen – das ist hier bei der Hitze nochmal eine andere Nummer, weil man viel mehr schwitzt und die Rapé-Diät ihr Übriges tut – geht's erstmal zurück in die Hängematte.
Später am Nachmittag bläst das Horn: 1 Mal bedeutet alle zusammenkommen. 2 Mal: es gibt zu tun. 3 Mal: es gibt essen. 4 Mal: Kultur/zeremonieller Akt/Veranstaltung. Die Geburtstagszeremonie beginnt in der Haupthütte. Und es ist wirklich herrlich, in der Mitte ist ein gigantisches Buffet aufgebaut. Im Hintergrund verzieren zwei Dutzend knallbunte Luftballons den Raum. Hinter dem Buffet, auf dem auch eine erschreckend türkise Lebensmittelfarbstoff-Torte aus der Stadt steht, ist Isaka mit seiner Frau und Kind aufgebaut. Er lässt, offensichtlich recht bekifft, das Geburtstagsständchen mit portugiesischem Text und Happy Birthday Melodie leicht lächelnd "über sich ergehen". Aber die Gesamtszenerie ist einfach nur unglaublich herzerwärmend. Es sind gefühlt die Hälfte Kinder im Raum, und dafür geht alles recht geordnet und entspannt vor sich. Ich sitze einfach am Rand und inhalier meditativ, mit etwas Mambe im Mund, die Szenerie.
Da ja alle, die Hunger hatten, vorher schon essen konnten, bzw. im Grunde das ganze Dorf mit Zubereiten beschäftigt war, gab es nicht so ein "Hangry-Ellenborgerangel", wie ich es früher von so einigen bürgerlich, deutschen Buffet-Caterings kannte. Die Frauen haben Maniok, Reis, zur Feier des Tages Spaghetti, Maniok, gekochte Bananen, eine Art Couscous und natürlich Maniok den ganzen Vormittag in der Küche an der Haupthütte, mit ordentlich Kindergezappel und Geschrei, gemeistert. Kann man einfach nicht anders sagen: mucho Respeto!
Eigentlich bin ich vom Grillgelage gut gesättigt, doch ein Paje fordert mich freundlich zum Speisen auf. In dem Moment, als ich freundlich ablehnen will, kommt mein Reisekumpane Thomas angeschossen und meint, ich müsse die Rindersuppe probieren – okay, wer bin ich... Und das hat sich aber sowas von gelohnt! Recht einfach gekocht, aber unglaublich gut abgeschmeckt, die Fleischstücke super zartschmelzend auf der Zunge, hat die Brühe etwas von Ochsenschwanzsuppe. Ich hole mir 3 Mal nach, nun muss ich mich aber echt zurückhalten.
Isaka bekommt viele Gratulationen, es werden gefühlte 100 GB Fotos geschossen, da geht hinter Isaka das Holzfenster auf und ein Kind klatscht ihm eine Handvoll Sahne oder so in den Nacken, viele lachen, manche sind wahrlich entsetzt, Isaka ist bekifft amüsiert, ich nehme keine Ego-Kränkung bei ihm wahr, Super! So soll es sein.
Weniger lustig finde ich die Torte, mein mentaler Endgegner an diesem Tag. Den Kristallzucker kann man ja verdrängen oder die dadurch entstehenden Zivilisationskrankheiten ignorieren. Mal abgesehen davon, dass Kristallzucker Gott sei Dank hier eher noch die Ausnahme als die Regel darstellt, auch wenn die ein oder andere Plastikverpackung am Wegesrand eine unschöne Tendenz verraten lässt. Aber der blaue Farbstoff, mit dem die Kinder begeistert raumspielten, der bald überall zu sehen war – Scheiße, jetzt bin ich wieder die moralisierende Spaßbremse: IST FUCKING NOCHMAL KREBSERREGEND! Es gibt kein chemisches Blau, das DIES nicht ist. Ich muss es aushalten, mal wieder. Der einzige Trost bleibt mir, dies hier niederzuschreiben und euch damit zu nerven. Wieder einmal stecke ich im "besserwisserischen, verbietenden Gesundheitsheini vs. unterlassener Hilfestellung/Aufklärungs-Dilemma". Mich macht das echt fertig...
Nun ja, meine Hoffnung ist, dass "die großen Jungs" vom Stamm immer wieder betont haben, dass wir beide Kulturen viel voneinander lernen können. So hoffe ich, dass wir von diesem Text eine einigermaßen gute Übersetzung hinbekommen.
Huch! Wo bin ich mal wieder gelandet? Ach ja: die Suppe, super lecker, nahrhaft und, in Maßen genossen recht gesund. 7 Stunden später, als wir zur Zeremonie trinken, merke ich, wie auf dieser Basis die Ayahuasca viel sanfter vom Magen aufgenommen werden kann und sich zeigt, dass kein Brechreiz auftritt, äußerst angenehm.
Nach bereits 10 !!! Minuten merke ich die Medizin in meinem System. Als würde sie direkt durch meinen Magen in den Blutkreislauf gelangen, fast ein wenig wie bei Alkohol. Isaka: "was habt ihr denn da schon wieder für ein spannendes Kraut beigegeben?" Oder liegt es an der Rapé-Diät und meiner Vorbereitung?
Mich schießt es sehr stark in die Medizin, mein Körper ist schon nach einer halben Stunde im "Trainingsmodus". Dabei bewegt die Medizin meinen Körper zur Musik in intensiven Schwingungen. Teilweise scheint es aber auch Lockerung und Massage von vernachlässigten bzw. nicht ausreichend bewegten Körperregionen zu sein. Dabei in schamanischer, hochfrequenter Anbindung zu bleiben und zu atmen, ist der Lehrweg, und dieser ist nicht leicht und kann nur tief und wahrhaftig verdient sein. Keine Cheats, keine Ausreden, keine Abkürzungen. Die Medizin lässt mir, wie immer öfter, Anweisungen und Informationen zukommen, Empfehlungen, denen zu folgen es sehr entspannt und schön für alle werden lässt. Diese schamanische Anbindung ist ein Schatz, und ich bin mir immer nicht sicher, wie viel ich davon preisgeben sollte. Im Sinne der Aufklärung möchte ich allerdings schon mal die bewusste, ausgebildete Hellhörigkeit ansprechen.
Also sitze ich nun ca. eine Stunde nach dem Trinken in das Feuer schauend, betend, dankend, Energie haltend in einem stark von Pinta (mehrdimensionale Mustern) geprägtem Raum. Überall um mich herum fühle ich feinstoffliche Helfer des Stammes, ich fühle mich sehr gut aufgehoben, unterstützt und gesehen. Die Gebete dauern an, ich versuche die Gebete zu imitieren, die Worte fallen mir immer weniger schwer, und das Tönen ist super gut, braucht aber auch viel Kraft. Hauptsache Rasseln, ich halte mich an den Rasselton. Passiert etwas, fällt oder steigt die Energie, hören das gleich alle, wir Rassler sind wie die Grillen, Zikaden und Frösche im Dschungel. Manchmal synchron harmonisch mit der Musik, manchmal alle recht in ihrem eigenen Tempo, aber vor allem: bei sich.
Negative Gedanken kommen kurz und werden von mir (oder uns?) schnell identifiziert und ihnen die Basis entzogen. Bloß nicht in die Scheiße der Vergangenheit reinziehen lassen. Es ist passiert, ja war doof bis grausam, aber hier ist jetzt, und wir danken der Vergangenheit und den Ahnen, dass sie uns zu dem gemacht hat/haben, was wir heute sind – selbstermächtigt, aus Fehlern gelernt, es besser zu machen, und wenn wir es nicht alleine schaffen, dürfen wir uns Hilfe erbitten. Ah! Internationale Hilfe! Ich bete Hopono o pono, ein Verzeihungsritual, es ist mächtig und hilft mir sehr.
Freitag 27. Feb. 2026
Es ist soweit. Isaka macht eine kurze Ansprache und erkundigt sich nach aller Wohlergehen. Es gibt Rapé – jawohl! Der Paje, ich glaube, er mag mich, fragt mich etwas auf Portugiesisch, ich gebe ihm die Geste, dass ich ihm vertraue, und er "reinhauen" soll. Der Schuss im linken Nasenloch ist sooooo gut, dass ich hellauf begeistert bin. Mein Magen ist auch instant so begeistert, dass er ein Teil vom guten Mittagessen schneller auf Achterbahn schickt, als ich zum hohen Gras laufen kann. Üblich, kommt hier vor, in Deutschland gibt's ja immer überall Eimerchen für die Reinigung. Hier gibt es viele Pflanzen, die sehr begierig auf diesen Dünger sind. Ich gehe zurück zum Paje, um mir standesgemäß einen zweiten Schuss in die rechte Seite abzuholen, und freue mich schon wie ein Hortkind. Diesmal ist der Paje allerdings etwas verunsichert und gibt mir das Rapé ganz vorsichtig und sanft... Ich bin etwas enttäucht aber Naja, man lernt sich kennen...
Eine tiefe Meditation mit Rapé, besonders auf Ayahuasca, ist unglaublich intensiv. Schafft man es, sich in einer hohen Anbindung "zu beten", ist es gut möglich, "alten Giftmüll" aus dem System auszuleiten, als würde man jede Zelle reinigen und entsprechende geistige, mentale Anhaftungen ausspucken. Man spürt dann auch sehr gut, wenn sich solche Geister wieder versuchen dort anzusiedeln, um dies nicht zu erlauben. Im Schneidersitz komme ich langsam wieder zurück in die Szenerie der Zeremonie, ah ja, wo ist die Rassel, super! An ihrem Ort, wo sie hingehört. Und weiter geht's: Rassel, Rassel, jeder in seinem Rhythmus, wie die Grillen, Frösche und Zikaden im Dschungel, bin wieder hier, alles gut. Die Männergruppe läuft wieder in Reihe hintereinander los, die Mienen in konzentrierter Ernsthaftigkeit. Ein nicht indigener Bruder vom Filmteam hoppelt fröhlich gelaunt hinterher, ich schließe mich an, wozu bin ich schließlich hier, wenn ich nicht weiter übe und trainiere...
Ich habe gut zu tun, mir dreht es ordentlich, Opa Tabak durch Raps in meinem System hat mein sensibles Empfindungsfeld in etwa verdoppelt, und ich halte bewusst in etwa 2 m Abstand zu meinem fröhlich "hopslaufendem" Vordermann. Zeitweilig habe ich das Gefühl, dass ich mehr Haftung und Gravitation durch die Klänge meiner Rassel verspüre als zur Erde. Aber ich kann mich gut verlassen auf meine straken "Wander-waden".
Kalter Schweiß überall – Atmen, laufen, rasseln, ganz einfach. So hat der Geist auf jeden Fall keine Chance, auf "dumme Gedanken" zu kommen. Jeder, der schonmal Ayahuasca oder Psychoaktive Substanzen genommen hat, kennt das sicher, wie lang man sich an irgendwelchen abstrakten Geisteskonstrukten aufhalten kann. Hier ist dies allein schon durch die Zeremonialstruktur von Anfang an weitaus weniger gegeben. Es verbietet allein schon der Respekt von uns als Gäste, zu viel geistigen Schund mitzubringen. "Viva Alegria!" – reine Lebensfreude schallt es allzu oft aus dem Stamm! Also gebe auch ich mein Bestes, dem nachzukommen.
Die schwarz-gelben Röcke der Frauentänzerinnen ums Feuer wedeln mir nur so um den Verstand. Die Dresdner Dynamofans würden ausrasten wenn sie das sehen könnten. Vor mir eine beachtliche Gruppe Indigener mit ihrer respektablen Haltung, besonders in diesem Zustand. Was für eine Schönheit, eine Ehre, ein Privileg, dem beiwohnen zu dürfen. Es kommen nun auch von den Elders Menschen dazu. Isaka führt die Gruppe an, es wird bewegter. Hand in Hand, schlangenlinienartig mit teilweise richtig engen Kurven geht es mal richtig langsam um innen Kurven, dann plötzlich unglaublich schnell in die Außenkurven. Mir ist flau, und kurz denke ich, dass ich ohnmächtig werde. Einfach weiter rasseln und konzentrieren, mir kann nichts passieren. Und wenn ich ohnmächtig werde, egal, mein umfallender Körper wird sofort aufgefangen in dieser Gemeinschaft, und vielleicht erlebe ich dabei noch einen interessanten Ausflug. Auf jeden Fall weiterhin alles geben: Rassel! Rassel!
Ohnmächtig werde ich nicht, in der nächsten Musikpause gönne ich mir, mich auf meinem Schlafsack abzulegen, Regeneration. Nach etwa 5 Minuten merke ich, wie wieder "dumme Gedanken" in mir aufkommen. Ich merke es daran, dass diese versucht sind, Energie abzuziehen. Ich erinnere mich, dass hier darum gebeten wird, dass die Zeremonien im Sitzen stattfinden. Sicher haben wir die Gäste hier Gastrecht und Welpenschutz, aber ich selber sehe mich hier schließlich in schamanistischer Fortbildung. Als ich mich aufraffe, sehe ich, wie Isaka, mich im Fokus, auf mich zukommt – ich nicke ihm von weitem zu: "habe verstanden, bin wieder da", und er lässt kommentarlos von mir ab. Mal wieder eine beeindruckende Synchronizität, die aufzeigt, wie direkt alles miteinander in Verbindung steht.
Gut, einfach wieder rasseln und mitlaufen. Ich bin auch wieder stabiler, es macht wieder richtig Spaß, dabei zu sein, und ich bin wieder wie ein kleiner Junge, der mit offenem Mund diesem Stammestanz beiwohnt und bestaunt. Wie sich die innere Frequenz anzieht, wenn wir vorn an den Musiker/innen vorbeiziehen, konzentriert beäugt von den Elders, die sich konzentriert mit ihren Familien in dieser unbeschreiblichen Würde aufgebaut haben, um das Spektakel zu halten. Und schwupps geht es in einem Heidentempo wieder ums Feuer. Eine konzentriert ekstatische Bewegung, wie ich es bei unseren alten Fruertänzen in Deutschland immer bei den anderen angetrieben und provoziert habe. Diesmal könnte ich fast der Angetriebene sein, aber eben nur fast, denn ich komme sehr gut mit, und mein Herz schreit laut: Ja! Das ist es!
Und so vergeht eine Weile in feierlicher Stimmung, bis langsam die ersten Vorboten der Dämmerung zu erahnen sind und man beginnt, sich langsam wieder zu erkennen. Zwischen dicken Nebelschwaden zeichnen sich surreal verschlungene Baummuster ab, gesäumt von rosabetupften Schäfchenwolken in der Morgendämmerung. Die Vögel und Tiere rasten, so entnehme ich es den Geräuschen, förmlich aus vor Freude, als der neue Tag erwacht. Ebenfalls rasten die Mücken aus, wenn sie mich Weißling zur Morgendämmerung lecker durchgeschwitzt, regungslos in der Morgenmeditation vorfinden. Später beim Suchen erkenne ich in der Kniekehle einen Fleck von ca. 5 Quadratzentimetern mit ungelogen ca. 30 Mückenstichen – auf der einen Seite!
Ich bin bei den anderen deutschen Teilnehmenden, die Sonne geht langsam auf. Ich erzähle angeregt Erlebnisse und Mythen von Taita Querobin, einer Ayahuasca-Ikone der Cofán, gestorben 2024 im Alter von 108 Jahren. ... "Mit Ayahuasca kann man den Weg des Egos oder den des Herzens bestreiten"...
Isaka ruft: "Haux Haux", wenige antworten etwas müde "Haux" als Bestätigung. Isaka ruft etwas klarer und bestimmter, und sehr viel mehr antworten recht klar "Haux"! Er holt sich somit das Wort für die Abschlusszeremonie. Wir kommen im Kreis Hand in Hand zusammen. Nach nun schon etwas bekannterem Ablauf kommen wir in ein Abschluss- und Erdungsgebet. Die Zeremonie beendet, die Helferenergien werden dankbar verabschiedet. Die Familie findet sich noch einmal im Kreis jubelnd wieder, Applaus für alle am Ende.
Isaka gibt uns nun noch ein paar Anweisungen für die Heimreise. Ja, um 9 fährt das Boot zurück in die Stadt. Ich hatte von Anfang an großen Respekt und etwas Bedenken vor diesem Morgen. Nach solch einer intensiven Zeremonie, wo Mensch unter Normalzuständen wirklich erstmal mit mindestens 3 Stunden ruhen sollte. Ohne Regenerieren und Erden, eine ganz schöne Herausforderung. Ich nehme es schamanisch sportlich, mit 3 CBD-Tropfen, etwas Mambe und gutem Herzenswillen sicher machbar. Ich beginne meine 1000 Sachen zu packen, sortiere digitale Welten, USB-Kabel, SD-Karten von spirituellen Werkzeugen und Medizinen. Vorbei an T-Shirts und Unterhosen – "oh, diese Orange ist leider nicht mehr gut". Das Ganze auf 2 Quadratmetern mit permanent dem Moskitonetz im Weg, während die beiden Nachbarn links und rechts gleichzeitig genauso rumpeilen. Noch eine ganze Menge zu packen, kommen zwischendurch liebgewonnene Menschen vom Dorf vorbei, bieten weitere Dinge zum Verkauf an oder wollen bereits vereinbarte Tauschgeschäfte abschließen. Gelegentlich erwische ich mich dabei, wie ich mir grummelnd schwöre, nach einer solchen intensiven Zeit und großen Zeremonie nie wieder ohne Integrationstag(e) abzureisen.
Ich schaffe es nicht ganz und muss Isaka um weitere 30 Minuten bitten, aber es läuft soweit alles entspannt und schmerzfrei. Verabschiedung von denen, die im Dorf noch auffindbar sind. Es geht in praller Mittagshitze die etwa 1,5 km zum Bootsanleger. Diesmal wird unser schweres Hauptgepäck leider nicht mit den Ochsenschlitten abtransportiert, und so schleppe ich mich mit den 40 kg Gepäck in gefühlten 38 Grad langsam voran. Das lästige Gefühl, dass ich alt und schlaff werde, lässt mich dabei leider nicht ganz los.
Zwischenstation auf dem Weg: ich bekomme das abgesprochene und bezahlte halbe Kilo weltbestes Tsunu Rapé vom Rapé-Paje in die Hand gedrückt. Er will sich davon einen Kühlschrank kaufen und freut sich sehr. Ich freue mich sehr darüber, dass ich in Deutschland mit diesem Geschenk so einigen eine riesen Freude machen kann. Am Bootsanleger überreiche ich Isaka als Abschiedsgeschenk den Audiomitschnitt von der letzten Nacht. Der Feuermeister bekommt unerwarteterweise noch mein geliebtes Gillette Opinel mit der besonders langen, scharfen Klinge als Wertschätzung für seine fast unsichtbaren, wertvollen Dienste. Er fühlt sich, glaube ich, sehr gesehen und wertgeschätzt. Ich verkrieche mich mit den anderen 6 Anreisenden und dem Gepäck auf das Boot. In Erwartung, dass meine extreme Überhitzung vom Fahrtwind schnell Normalität erfährt. Ich werde nicht enttäuscht, flussabwärts sind wir gefühlt 3 Mal so schnell unterwegs wie flussaufwärts. Wir winken vom Boot den Dorfbewohnern am Bootsanleger. Ich bin, wohl auch vom Mambe, gut gelaunt und mache ein paar Späße, auf die aber kaum jemand reagiert. Hm... War das unangemessen, habe ich was falsch gemacht? Bevor ich mich in Selbstzweifel verwirren kann, merke ich, wie fertig alle sind. Drehende Augen und herunterhängende Mundwinkel erklären die Reaktionslosigkeit. Eine Viertelstunde später schläft fast das ganze Boot. Ich bin dank Mambe lustig dabei, die Zeit zu nutzen und diese Zeilen hier weiter zu schreiben.
Wir befinden uns auf dem Fluss, Rückfahrt in die Stadt. Der 27.2. Ich komme immer wieder an Erinnerungsfetzen vom Wasserwandern auf der Seenplatte, Spree oder Elbe. Sehr ähnlich, nur schön warm, und wenn man genau hinschaut, sehen die Blätter der Vegetation etwas anders aus. Ansonsten alles ähnlich. Meine Gedanken überkreuzen sich und ergeben eine Quintessenz: "den Amazonas mit dem Faltboot runter". Meine Vernunft kräht gleich: Nein! Gut, gut, ich habe andere verrückte Sachen zu tun. Haben aber bestimmt schonmal welche gemacht – waren bestimmt Sachsen mit nem RZ 84 ;-)
Am Bootsanleger, einer Art Tankstelle mit Shop, an dem be- und entladen wird, frage ich provokativ nach dem Müll, um unseren Müllbeutel, den wir aus dem indigenen Dorf zurückgebracht haben, entsorgen zu können. Ich blicke von den 10 Herren der Tankstelle in ignorant ahnungslose Gesichter. Ich komme mir mal wieder vor wie ein Außerirdischer. Ich übersetze extra provokant mit meinem Handy: "Onde posso descartar esse lixo?" Ich weiß, dass sie mich verstehen, aber alle versuchen, nicht zu reagieren. Ein Deutscher, mitreißend, flüstert mir ins Ohr: "Komm, lass das mit ins Hotel nehmen, die schmeißen den Müllsack sonst nur in den Fluss." Ich muss anerkennen, einfach nur den Müll aus dem Dorf mitzunehmen, ist ein wichtiger Anfang, aber das Problem liegt tiefer.
In Tarauacá gibt es keine Taxis, aber 2 Uber-Fahrer sind schnell da, um uns ins Hotel zu fahren. Eingecheckt freue ich mich auf einen Powernap, und nachdem ich frisch geduscht mit Handtuch um die Hüften zurück ins Zimmer komme, klopft es an unserer Tür. Was für eine schöne Wochenendüberraschung! Schamane Yaki – Isakas Vater und Häuptling des Stammes a. D. – steht in unserem Zimmer. Damit hatte ich nicht gerechnet, bin hocherfreut und ehrfürchtig schnell bemüht, mir eine Hose anzuziehen. Wir gehen gemeinsam Essen. Ich habe so meine Bedenken. Werden wir etwas finden?
Samstag 28. Feb. 202